Richard Lugner, ein rechter Clown

Richard Lugner. Bild: Screenshot Youtube

[Biber] Richard Lugner ist vor allem für Opernball, skurrile TV-Auftritte und seine wechselnden jungen Gefährtinnen bekannt. Doch nun kandidiert der Mann als Bundespräsident. Doch wofür steht der Baumeister politisch?

[Erstveröffentlichung: dasbiber.at]

Lugner hatte bereits einmal den Weg in die Politik gesucht. 1998 kandidierte er als Bundespräsident und erhielt 9,9% der Stimmen. Ermöglicht wurde dieses gute Ergebnis auch deshalb, weil die FPÖ bei dieser Wahl auf eine eigene Kandidatur verzichtet hatte. 1999 trat seine Partei „Die Unabhängigen“ dann auch zur Nationalratswahl an, wo sie allerdings nur 1,02% bekam. Lugners Kandidatur wurde durch die Unterschrift von drei FPÖ-Nationalratsabgeordneten ermöglicht.

Nähe zur FPÖ

Diese Nähe zur FPÖ und auch zu rassistischen Positionen zieht sich durch Lugners politische Geschichte. Die FPÖ organisiert in der Lugner-City in Wien 15 gern ihre großen Wahlkampf-Auftritte. Bereits im Wahlkampf 1999 positionierten sich Lugners „Unabhängige“ klar rechts mit Forderungen „gegen Asylmissbrauch“ und für „starke Grenzen“.

Christine Lugner, die damalige Frau des Opernball-Helden, war bei den Wahlkampf-Veranstaltungen die inhaltliche Einpeitscherin. „Kebabstuben sind der Kulturverfall Österreichs“ war einer ihrer Slogans. Lebenslang müsse lebenslang bleiben und ihre Tochter solle keinesfalls serbokroatisch lernen.  2002 gab es dann Gerüchte um eine Kandidatur von Christine Lugner für die FPÖ, später kandidierte sie für den FPÖ-Ableger BZÖ.

„Nationale Lösungen“

Für seinen aktuellen Wahlkampf hat Lugner am Donnerstag ein Konzept vorgestellt. Abgesehen davon, dass es auch die Frage aufwirft, was der Mann so zu sich nimmt, ist die politische Positionierung aufschlussreich. Inhaltlich wird Lugner eigentlich nur bei den Themen Flüchtlinge und innere Sicherheit deutlich. Für das Bundesheer will Lugner mehr Geld sowie „Schutzausrüstung gegen Demonstranten und Einsatz im Inneren zur Unterstützung der Polizei“.

Zum Thema Flüchtlinge fordert Lugner: „Abweisen aller Wirtschaftsflüchtlinge;  aller Flüchtlinge ohne Papiere;  Grenzkontrollen, Obergrenzen definieren und umsetzen;  Aufhebung der Schengenlösung“. Fett geschrieben fordert Lugner „nationale Lösungen“.  Dass Lugner selbst enorm viel Geld mit Menschen mit Migrationshintergrund verdient, die einen relevanten Teil der Kundschaft in der Lugner-City ausmachen, steht dabei auf einem anderen Blatt.

Das Frauenbild von Lugner ist aus dem Boulevard bereits bekannt. Seine Partnerinnen bekommen seltsame Tier- und Kosenamen, auch Bordelle sind dem Mann dem Vernehmen nach nicht fremd. Immer wieder wird auch behauptet, dass die Gefährtinnen von Lugner für ihre Dienste bezahlt werden. Im aktuellen Wahlkampf ist Lugner laut seinem Konzept die „Vertretung der 84 % Nichtakademiker und der Männer“.

Einer der reichsten Männer des Landes

Lugner will seinen Wahlkampf aus eigener Tasche finanzieren. Das dürfte ihm nicht allzu schwer fallen, gehört er doch zur finanziellen Elite des Landes. Kolportiert wird ein Vermögen von bis zu 135 Millionen. In der Vergangenheit drohte zwar bereits eine Insolvenz, doch offenbar ist immer noch genug Vermögen für einen Wahlkampf vorhanden. In seinem Konzept gibt er sich aber gleichzeitig mit seinem enormen Reichtum als Vertreter der einfachen Bevölkerung.

Wie das zusammenpasst, bleibt wohl Lugners Geheimnis. Lugner ist auch ein scharfer Gegner der Gewerkschaften, immer wieder kommt es zu Konflikten. 2011 etwa wollte die Gewerkschaft der Privatangestellten von den Beschäftigten der Lugner-City wissen, was sie denn von Lugners Vorstößen zur Sonntagsöffnung halten. Ein Video zeigt Lugners Reaktion darauf.

Der Gewerkschafter Karl Proyer erklärt Lugner, dass es ein demokratisches Recht der Gewerkschaften sei, die Beschäftigen zu befragen. Lugners Reaktion: „Ja schon, aber nicht in der Lugner-City“. Mit einem gebrüllten „Wir diskutieren hier nicht“ zieht Lugner schließlich ab. Richard Lugner mag in der Öffentlichkeit vor allem als Clown gelten. Doch seine absurden Auftritte sollten nicht über sein Programm hinwegtäuschen.

 

 

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