Hausdurchsuchung bei Neofaschisten-Kader Sellner wegen Christchurch

Screenshot: Youtube

Der Leiter der neofaschistischen Gruppe „Identitäre Bewegung“, Martin Sellner, wurde einer Hausdurchsuchung unterzogen. Der Grund: Der Attentäter von Christchurch hätte Sellner 2018 eine hohe Summe gespendet.

Immer mehr Spuren reichen von Brenton Tarrant, dem Attentäter von Christchurch, nach Österreich. Bereits bekannt ist, dass der Massenmörder Tarrant Österreich besucht hat und dass sich auf seinem Gewehr Referenzen zu Österreich fanden. Österreich wird in seinem Manifest auch als eines der Länder genannt, wo ein faschistischer Aufstand beginnen könne.

Nun wurde nach eigenen Angaben bei Martin Sellner, dem führender Kader der Gruppe „Identitäre Bewegung“ (IB), sogar eine Hausdurchsuchung mit Bezug auf Christchurch durchgeführt. Das gibt Sellner in einer Video-Botschaft bekannt, die am Montag abend veröffentlicht wurde. Ermittelt würde laut ihm wegen „Gründung oder Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung“, bei der Hausdurchsuchung seien Handy und Computer beschlagnahmt worden.

[Update: Innenministeriumssprecher Christoph Pölzl hat die Hausdurchsuchung am Dienstag vormittag bestätigt. Auch die Staatsanwaltschaft Graz bestätigt gegenüber der APA, dass die Hausdurchsuchung in ihrem Auftrag erfolgt war: „Ein Ermittlungsverfahren ist bei uns anhängig“, sagt deren Sprecher Hansjörg Bacher.]

Neofaschisten erfolgreich abge-Schirm-t

Sellner gibt in seinem Videostatement zu, dass der Attentäter ihm „Anfang 2018“ eine hohe Summe gespendet hätte, er hätte ihm mit einem Brief gedankt. [Update: Laut verschiedenen Medienberichten soll die Summe 1500 Euro betragen haben.] Die Spende sei Sellner aber dennoch erst vor wenigen Tagen aufgefallen.

Sogar, wenn solche Dankesschreiben oder -mails mit Copy und Paste verschickt werden sollten, klingt das nicht sehr plausibel – vor allem, wenn Sellner selbst gleichzeitig erwähnt, dass es sich um eine auffallend hohe Summe handelt. Auch die Behörden haben bei ihren Ermittlungen jedenfalls offenbar die Kontakte zwischen Sellner und Tarrant gefunden und mit einer Hausdurchsuchung reagiert.

In seinem Video sagt Sellner, dass er davon ausgehen würde, dass die Information über die Hausdurchsuchung ohnehin an die Öffentlichkeit kommen und im BVT-Ausschuss thematisiert würde. Doch er wäre auch unabhängig davon an die Öffentlichkeit gegangen, behauptet er. Auch das darf natürlich in Frage gestellt werden.

Identitäre: Die Österreicher-Connection

Sellner behauptet weiter, dass der Attentäter mit seiner Spende angeblich „explizit friedliche patriotische Bewegungen“ diskreditieren und die IB öffentlich in das Umfeld des Terrors ziehen wolle. Wörtlich sagt er, er vermute, dass die Spende erfolgt sei, um ihn „in die Sache reinzuziehen“. Laut Sellner völlig unzulässig – der Neofaschisten-Kader versucht in Folge eine Distanzierung vom Terror des faschistischen Attentäters von Christchurch, der 50 Menschen ermordet hat.

Doch tatsächlich ist es mit der angeblichen Friedlichkeit der IB nicht weit her. Sellner selbst postete im Jänner 2016: „Gottdeidank hab ich schon ne Waffe gekauft bevor der Asylwahn begonnen hat. Dürfte schwer sein jetzt noch was gutes zu bekommen.“

Screenshot: Recherche Graz

Ebenfalls im Jahr 2016 waren führende IB-Kader an einer Auseinandersetzung mit AntifaschistInnen beteiligt, die gerade am Nachhauseweg waren. Die IB-Kader wurden trotz Bewaffnung mit Totschläger, Zahnschutz und Gürtel freigesprochen. Über diesen Fall habe ich hier berichtet.

In mehreren umfangreichen Artikel hat die „Recherche Graz“ die Gewaltbereitschaft und die Waffentrainings der österreichischen IB aufgearbeitet (etwa hier und hier). Ebenfalls mit Waffen geübt wird auf den burschenschaftlichen Buden – und die IB darf in Österreich als aktionistischer Arm der deutschnationalen Burschenschaften gelten.

Biertonnen, Terror und Faschismus

Einschlägige Vorfälle gibt es nicht nur in Österreich. Über massive körperliche Übergriffe aus dem Umfeld der französischen IB hat Al Jazeera im Dezember 2018 berichtet. Sogar eine der Waffen, die beim fundamentalistischen Anschlag in Paris 2015 verwendet wurde, wurde den Attentätern von einem Mitglied der „Identitären Bewegung“ verkauft.

„Aufrissplatz Frauenhaus“: Wie Identitäre über Frauen-Schutzeinrichtungen denken

Das alles ist kein Zufall – sondern logische Konsequenz der faschistischen Ideologie der IB. Der Hauptslogan der IB ist ein angeblicher „großer Austausch“ der Bevölkerung. Der Attentäter von Christchurch hat genau diesen Slogan verwendet – offensichtlich von der IB inspiriert und übernommen, die diesen Slogan in der extremen Rechten popularisiert hat. (Mehr über die die Geschichte und Politik der IB könnt ihr im Buch „Das Netzwerk der Identitären“ lesen, wo ich einen ausführlichen Beitrag zur IB in Österreich verfasst habe.)

Das Netzwerk der Identitären

Doch wenn die FaschistInnen des Jahres 2019 die angeblich „letzte Generation“ sind, die den „großen Austausch“ verhindern kann, bauen sie damit ein Endzeit-Szenario auf. Und in einem solchen Szenario muss dann natürlich letztlich jedes Mittel recht sein, um die eigenen Ziele zu verwirklichen.

Die „Aktionsform“ des Attentäters von Christchurch und jene der IB mögen aktuell unterschiedlich sein. Doch beide teilen ein faschistisches Gedankengebäude und beziehen sich damit auf sehr ähnliche Grundlagen. Faschistische Attentate sind in dieser Ideologie kein „Ausrutscher“. Sie sind die Konsequenz dieser mörderischen Ideologie.

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