Sind die Ansteckungen in Wien tatsächlich besonders hoch?

Grafik: ORF
Aus der ÖVP wird behauptet, dass die Ansteckungszahl der Corona-Fälle in Wien besonders hoch sei. Doch das stimmt so einfach nicht.

Um die Zahl der Corona-Infektionen ist ein Streit ausgebrochen, der vor allem von der ÖVP geschürt wird. Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) etwa behauptet, ihm würden die Zahlen aus Wien „Grund zur Sorge“ bereiten. Doch das Problem ist: Die ÖVP vergleicht hier Wien und die anderen acht Bundesländer – also Stadt und Land, Großstadt und kleine Gemeinden, Äpfel und Birnen. Das ist schlichtweg unseriös.
 
Seriös ist klarerweise einzig ein Vergleich der Städte. Und hier zeigt sich: Unter den fünf Städten in Österreich über 100.000 EinwohnerInnen liegt Innsbruck bei den Infektionen enorm weit vorne. Dort kommen auf 100.000 EinwohnerInnen derzeit 309,59 positiv auf das Virus getestete Menschen (Stand 10.05, 23h). Das zeigt die stündlich aktualisierte GrafikCoronavirus in Österreich: Daten und Karten“ des ORF.

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Danach folgen in der Liste Graz mit 162,05 positiv getesteten Menschen auf 100.000 EinwohnerInnen und Linz mit 148,74. Erst dann kommt Wien mit 140,82. Einzig Salzburg liegt mit 86,89 noch hinter Wien. Die Grafiken für alle fünf Städte findet ihr am Schluss des Artikels.

Dort zeigt sich übrigens: Sogar im Vergleich der politischen Bezirke in ganz Österreich steht Wien relativ gut da. (Update: Natürlich können hier nur die bekannten Zahlen verglichen werden, die auf Basis der Testungen veröffentlicht werden. Das bedeutet aber gleichzeitig: Wo es viele Tests gibt, sind auch die Zahlen höher. Leider sind aktuell keine Zahlen verfügbar, wo in welchem Ausmaß getestet wird.)

Keine Übersterblichkeit in Wien

Besonders beachtlich sind die Behauptungen der ÖVP auch im Lichte neuer Zahlen, die die Wiener Statistikbehörde MA 23 am Montag präsentiert hat. „Wir haben keine Übersterblichkeit in Wien bisher“, sagt MA-23-Chef Klemens Himpele im APA-Gespräch. Dabei geht es um einen Vergleich des Jahres 2020 mit der Sterblichkeit der vergangenen Jahre.

Diese Aussage stimmt laut MA 23 für die unter 65-Jährigen genauso wie für den Bevölkerungsteil ab 65 Jahren, der als Covid-19-Risikogruppe gilt. Und sie trifft zumindest bis inklusive der 17. Kalenderwoche zu, also bis zum 26. April. Neuere Daten sind noch nicht verfügbar. Die Frage der Übersterblichkeit ist besonders wichtig. Hier wäre zu erkennen ist, ob nicht diagnostizierte COVID-19-Fälle übersehen wurden – In der Sterbestatistik müssten diese Fälle auftauchen. (Update: Die Stadt Wien hat nun einen regelmäßig aktualisierten Mortalitätsmonitor online gestellt.)

Die seriöse Präsentation von Zahlen ist gerade in der Corona-Krise enorm wesentlich. Das ist ein Mindeststandard, der eigentlich auch von der ÖVP erwartet werden sollte.

Die Grafiken für die fünf größten Städte Österreichs in der Reihenfolge der positiv getesteten Personen je 100.000 EinwohnerInnen:

Grafik: ORF

Grafik: ORF

Grafik: ORF

Grafik: ORF

Grafik: ORF

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