Und wenn wir das Geld der acht Reichsten einfach verteilen? Ein Gedankenexperiment

Die acht reichsten Männer der Welt sollen so viel besitzen wie die Hälfte der Weltbevölkerung. Muss das so bleiben?

Jährlich vor dem Weltwirtschaftsgipfel im schweizerischen Davos erscheint ein Reichtums-Bericht der Internationalen NGO Oxfam. Laut der Organisation besitzen 2017 die acht reichsten Männer des Planeten so viel wie die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung. Ob es tatsächlich acht Männer sind, wird von anderen Quellen, etwa der Süddeutschen Zeitung, in Frage gestellt.

Die SZ geht davon aus, dass die Zahlen nicht klar genug wären, um von genau acht Personen zu sprechen. Doch auch dort wird nicht bestritten, dass es sich nur um sehr wenige Personen handelt. Der Hintergrund der Debatte ist an sich bereits sehr problematisch: Die weltweite Datenlage zur Vermögensverteilung ist enorm dürftig.

Wenig Information über Reichtum

Insbesondere zum Thema Reichtum gibt es relativ wenig Informationen. Oft wird daher auf die jährliche Liste des US-Magazin Forbes zurückgegriffen, auch Oxfam tut das. Für Österreich erstellt der Trend eine ähnliche Liste der reichsten Menschen des Landes.  Letztendlich handelt es sich dabei aber immer um Schätzungen. Diese schlechte Datenlage zu den Reichtum zeigt aber gleichzeitig  schon ein Element des Problems: Reichtum versteckt sich gerne.

Dennoch geben die Zahlen von Forbes einen guten Einblick in die globale Ungleichheit. Die acht reichsten Menschen der Welt besitzen laut der Zeitschrift im Jahr 2016 gemeinsam 426,2 Milliarden US-Dollar. Oxfam geht davon aus, dass demgegenüber die ärmsten 50 % der Weltbevölkerung nur rund 409 Milliarden Dollar besitzen. Damit würden acht Männer genauso viel besitzen wie rund 3,75 Milliarden Menschen.

Ob 7 oder 15, ist wohl egal

Ob die auf Schätzungen beruhenden Zahlen von Oxfam dabei genau richtig sind. Ob es doch 15 oder nur sieben Männer sind, die so viel besitzen wie die Hälfte der Weltbevölkerung. Das ist letztlich wohl irrelevant. Entscheidend ist das enorme Ausmaß von globaler Ungerechtigkeit, das sich in diesen Zahlen manifestiert.

Machen wir nun ein Gedankenexperiment: Arbeiten diese acht Menschen tatsächlich genauso viel wie 3,75 Milliarden andere? Jeder von ihnen müsste damit durchschnittlich 468.750.000 Mal so viel arbeiten wie die ärmere Hälfte der Bevölkerung auf diesem Planeten. Sogar Superman wäre von dieser Vorgabe wohl restlos überfordert.

Manche dieser besonders reichen Männer (und es ist natürlich kein Zufall, dass unter den Superreichen fast ausschließlich Männer sind) hatten einen innovativen Einfall, den sie zu Geld gemacht haben. Das ändert aber nichts daran, dass ihr Reichtum bereits mit ihren ersten Angestellten auch auf fremder Arbeitskraft beruht. Andere – und das ist der üblichere Weg – haben schlicht geerbt.

Sie besitzen es. Doch verdienen sie es?

Doch als Gesellschaft sollten wir uns eine grundlegendere Frage stellen: Verdienen Superreiche diese unfassbaren Summen tatsächlich? Und zwar im doppelten Wortsinn: Verdienen Sie dieses Geld?

Raubüberfall und Marktwirtschaft ist gleich - C

Denn natürlich haben sie nicht 470 Millionen Mal so viel pro Stunde gearbeitet wie der Rest der Welt. Sondern Millionen von Menschen arbeiten für sie. Und dort, wo die tatsächlichen Belegschaften kleiner sind, etwa bei Facebook, arbeiten in Wirklichkeit wir alle für die Plattform. Wir füllen sie mit unseren Inhalten füllen und konsumieren gleichzeitig die Werbung, für die Facebook kassiert.

Die Summen sind bizarr

Das Geld, das die kleine Schicht von Superreichen verdient, können diese Menschen niemals ausgeben. Die Summen, um die es sich handelt, sind schlicht jenseits der Vorstellungskraft. 40 Milliarden, 50 Milliarden, 70 Milliarden Euro – die Zahlen sind ebenso unvorstellbar wie obszön.

Es gäbe eine sehr einfache Antwort auf dieses Ungleichgewicht: klar definierte globale Einkommensgrenzen. Dabei geht es weniger um Themen wie die sogenannte Finanztransaktionssteuer. Mit Verlaub, das sind Peanuts.

Ein Sandwich für Konzerne

Aktuelle Pläne sagen, dass Spekulationsgewinne mit 0,1% besteuert werden sollen – 99,9% bleiben also unbesteuert. Und dabei wird überhaupt nur die Spekulation getroffen, andere Formen der Gewinnmaximierung bleiben außen vor.

Steuern auf Unternehmensgewinne in einzelnen Ländern haben auch immer das Problem, dass als Reaktion darauf Kapital nach Möglichkeit steuerschonend verschoben wird. In der EU wurde etwa der sogenannte „Double Irish With a Dutch Sandwich“ bekannt, wo mittels Steuertricks Geld so lange hin und her verschoben wird, bis kaum mehr Steuern zu bezahlen sind. Eine Lösung müsste also global und nachhaltig sein.

Braucht wirklich jemand mehr als 15.000 Euro im Monat?

Gehen wir die Frage grundlegender an. Ein Gedankenexperiment: Was wäre, wenn die höchsten Einkommen und Profite aus Besitz grundsätzlich nicht mehr als zehn Mal höher sein dürften als ein durchschnittliches Gehalt? Der Einkommensdurchschnitt in Österreich beträgt rund 1500 Euro netto.  Diese Summe mal zehn, das wären 15.000 netto, jedes Monat, 14 Mal. Der Rest wird mit 100 Prozent besteuert. Niemand wird ernsthaft behaupten können, mehr zum Leben zu brauchen.

Damit wären grundlegende Ungerechtigkeiten noch nicht beseitigt (denn auch der Faktor zehn ist in Wirklichkeit verdammt hoch und bereits vorhandener Besitz ist davon nicht erfasst), doch es wäre ein grundlegender Schnitt gemacht. Es gäbe zumindest wieder Relationen zwischen dem Besitz der Reichsten und dem Besitz der großen Masse, die irgendwie fassbar wären.

Wie viele Nullen haben 7,3 Billionen?

Machen wir noch ein Gedankenexperiment: Erfassen wir auch bereits vorhandenen Besitz. Laut dem Hurun-Report gibt es weltweit 2188 Milliardäre. Diese 2188 Personen sollen insgesamt 7,3 Billionen Dollar besitzen. Sagen wir in einer ersten Annahme: 100 Millionen Dollar Freibetrag pro Person. Das ist immer noch absurd viel Geld.

Dennoch, bleiben wir für das Experiment bei dieser Zahl. Es ist eine unfassbare Summe, die real niemals bis zum Ende eines Lebens auszugeben ist. Es ist wohl auch ein Test der Gier: Wer wird argumentieren, dass 100 Millionen Dollar ihm oder ihr nicht reichen? Der Rest des Besitzes wird mit 100 Prozent besteuert, also der Allgemeinheit übergeben. Allein mit dieser Maßnahme, die gerade einmal knapp 2200 Superreiche betrifft, würden in einem ersten Schritt sofort über sieben Billionen Dollar zur Verfügung stehen.

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Damit könnte enorm viel begonnen werden. Um nur einige global dringend notwendige Maßnahmen zu nennen: Sauberes Trinkwasser und Zugang zu Sanitäranlagen (Toiletten!), Ernährungssicherheit, menschenwürdige Wohnungen und Arbeitsbedingungen, der Kampf gegen Krankheiten, Bildung, ein Altern in Würde und vieles mehr.

Gesellschaftlicher Wert

Damit wäre es natürlich nicht getan, denn es geht nicht nur um absolute Grundbedürfnisse. Und es geht nicht nur um acht oder auch 2188 Personen – wahrscheinlich könnten wir die Zahl der wirklich Reichen besser mit dem berühmten „1Prozent“ fassen, vermutlich wohl eher mit 5 Prozent.

Es geht weit grundlegender darum, wie die Wirtschaft in unserer Gesellschaft gestaltet ist. Es geht darum, wer entscheidet, in welche Richtung die großen sozialen und ökologischen Weichenstellungen auf diesem Planeten erfolgen. Ob die Wirtschaft dem Profit nützt oder der großen Masse der Bevölkerung. Dennoch wären diese 7 Billionen sicher besser im Kampf für grundlegende menschliche Würde angelegt als in noch einem Jet, noch einer Insel oder noch einer Yacht. Für einige wenige, die ohnehin nicht mehr wissen können, wohin mit dem Geld.

Wer soll das entscheiden?

Wohl kaum jemand würde das bestreiten. Nun werden jene, die derzeit diese Reichtümer besitzen, sie wahrscheinlich nicht besonders gerne und auch nicht freiwillig hergeben. Das ist okay, niemand zahlt gern Steuern.

Doch wollen wir uns gesellschaftlich immer danach richten, was die reichste Elite gerne hätte? Dann würden wir vermutlich immer noch als Sklavinnen und Sklaven am Ruhm des römischen Imperiums, der Pharaonen oder des Kaisers von China bauen.

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