Aufmarsch der türkischen NationalistInnen in Wien

Am Sonntag marschierten in Wien rund 700 türkische NationalistInnen auf. Im Anschluss daran kam es zu Provokationen gegen ein kurdisches Vereinslokal. Eine Bildreportage.

Ein breites Spektrum von türkischen NationalistInnen folgte am Sonntag dem Aufruf der Union Europäisch-Türkischer Demokraten (UETD), die als verlängerter Arm der türkischen Regierungspartei AKP gilt.

Der Aufmarsch sollte sich „Gegen Terrorismus“ richten. Offiziell war damit sowohl die Organisation „Islamischer Staat“ wie die kurdische PKK gemeint. Die Sprechchöre richteten sich allerdings fast ausschließlich gegen die PKK.

Das verwundert nicht weiter, gab es doch bis vor nicht allzulanger Zeit noch bestes Einvernehmen zwischen Teilen des türkischen Staatsapparates und dem IS. Parallel dazu werden derzeit die kurdischen Gebiete der Türkei von der türkischen Regierung militärisch schwer attackiert, es herrscht de facto Bürgerkrieg. Der syrische Arm der PKK, die YPG/J, ist währenddessen in schwere Kampfhandlungen mit dem IS verwickelt.

Neben AnhängerInnen der UETD/AKP waren vor allem zahlreiche UnterstützerInnen der faschistischen MHP („Graue Wölfe“) beim Aufmarsch in Wien präsent. Das zeigte sich einerseits in Fahnen mit dem Symbol der Partei, den drei Halbmonden, aber auch in zahlreichen sogenannten „Wolfsgrüßen“, die während des Aufmarsches immer wieder gezeigt wurden. Der Ordnerdienst wurde teilweise vom Motorrad-Club „Osmanen Germania“ übernommen.

Vereinzelt waren auch Fahnen mit dem Gesicht des ehemaligen Diktators Kemal Atatürk zu sehen. Diese repräsentieren in der türkischen Politik einen laizistischen Ansatz, der vor allem von der türkisch-nationalistischen „Republikanischen Volkspartei“ (CHP) repräsentiert wird, die Mitglied der Sozialistischen Internationale ist.

Im Anschluss an den Aufmarsch der NationalistInnen kam es zu Provokationen durch kleinere Gruppen von jungen Faschisten vor einem kurdischen Vereinslokal in Wien 15. Es wirkte allerdings so, als wäre deren Mut zur Provokation vor allem davon getragen, dass starke Polizei-Kräfte die jungen Rechten abschirmte. Denn während der Provokation durch die türkische Nationalisten waren vor dem Vereinslokal zahlreiche KurdInnen und österreichische AntifaschistInnen zum Schutz des Vereins präsent.

 

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