Identitären-Sprachrohr Sellner klagt mich

Was ist passiert, warum will mich Sellner klagen und wie könnt ihr helfen?

Seit Jahren sind meine Recherchen der neofaschistischen Gruppe Identitäre und anderen extremen Rechten ein Dorn im Auge. Nun glaubt IB-Gesicht Martin Sellner, endlich einen Grund für eine Klage gefunden zu haben. Sellners Anwalt hat mir eine Aufforderung geschickt, es geht um Medienrecht, üble Nachrede, Kreditschädigung.

Ich solle eine Unterlassungserklärung unterschreiben, seine Anwaltskosten übernehmen und 2000 Euro an einen IB-nahen Verein überweisen. Update: Inzwischen ist auch die Klage von Sellner bei meiner Anwältin eingetroffen.

Anlass ist eine Kundgebung der Sozialistischen Jugend Wien am 7. März 2020. Dort hatte es eine Auseinandersetzung zwischen AntifaschistInnen und einer Gruppe von Identitären gegeben. Sellner meint nun, dass meine Berichterstattung nicht korrekt sei – das ist allerdings aufgrund eines großen Ermessungsspielraums bei der Beurteilung strittig, sagt meine eigene Medienanwältin.

Das schwächste Glied in der Kette?

Andere Medien hatten ähnlich berichtet wie ich, doch Sellner greift sich das vermeintlich schwächste Glied heraus: Einen freien Journalisten ohne Rechtsabteilung im Hintergrund. Zeigen wir ihm doch gemeinsam, dass er sich irrt!

Meine Verteidigung wird in jedem Fall mehrere tausend Euro kosten, auch meine Anwältin arbeitet nicht umsonst. Möglicherweise wird es sogar noch wesentlich teurer.

Die Proteste gegen Identitäre und extreme Rechte in Wien

Parallel attackiert Sellner mich auf seinen Kanälen. Auf YouTube hat er ein eigenes Video zur Klagsdrohung gegen mich veröffentlicht, darin heißt es unter anderem: „Michael Bonvalot ist seines Zeichens einer jener Fotografen (…) die bei jedem patriotischen Protest herum schwärmen und Fotos machen von allen Leuten. Und diese Fotos tauchen dann auf im Internet und, jeder von euch weiß es, diese Fotos dienen dann dazu, Leute um Lohn und Brot zu bringen oder sogar sie zur Zielscheibe für linksterroristische Angriffe zu machen. Das ist offenbar die Lebensbeschäftigung und auch der Lebensunterhalt vom Herrn Bonvalot.“

Warum ich?

Dieser harte Angriff überrascht mich nicht. Ich recherchiere seit Jahren über die Gruppe Identitäre, ich veröffentliche Artikel, Hintergründe und Buchbeiträge. Ich war auch einer der ersten Journalisten im deutschsprachigen Raum (vielleicht der erste, ich will mich aber nicht mit fremden Federn schmücken), der die Gruppe in Artikeln konsequent als neofaschistisch bezeichnet hat.

Die Identitären und der japanische Faschismus – Ein Code für Putsch, Gewalt und Diktatur

Ich war und bin davon überzeugt, dass das politisch die richtige Einschätzung ist und dass ich jede Klage dazu gewinne. Diese Einschätzung der Gruppe als faschistisch hat sich heute breit durchgesetzt.

Als Reaktion auf meine Arbeit haben Kader der Identitären immer wieder Schmähungen über mich im Netz veröffentlicht, auf Demonstrationen bekomme ich von Sellner und Co die Kamera ins Gesicht gehalten, Sellner läuft mir sogar in einem Einkaufszentrum in Wien mit einer Kamera nach.

Sellner stimmt auch schon mal bei einer Kundgebung meinen Namen als Sprechchor an. Ich werde den Aktivisten der Gruppe vorgestellt, sie sollen sich mein Gesicht und meinen Namen merken.

Nun versucht Sellner mich rechtlich zu attackieren. Update: Am 7. September 2020 hat er die Klage auch offiziell eingereicht, nachdem ich mich geweigert habe, die „freiwillige“ Spende von 2000 Euro an den Identitären-Verein zu bezahlen. Der Fall geht also vor Gericht.

In der australischen Gewerkschaftsbewegung gibt es eine Losung: „Touch One, Touch All“ – Greifst Du eine/n an, greifst Du alle an.

In diesem Sinne: Ich freue mich unendlich über eure Solidarität!

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