„In der Türkei ist unser Leben in Gefahr“

Bild: Privat, mit freundlicher Genehmigung

Die österreichischen Behörden wollen die kurdische Familie Kaya in die Türkei abschieben. Den Eltern droht Gefängnis, was aus den Kindern wird, weiß niemand. Jetzt erzählt Mutter Meryem über ihre Ängste und die gefährliche Lage für die Familie.

Vor der Verfolgung in der Türkei ist die Familie Kaya vor fünf Jahren nach Österreich geflüchtet. Doch nun sollen der 13-jährigen Yiğit, sein älterer Bruder Yilmaz, Vater Tosun und Mutter Meryem in die Türkei abgeschoben werden. Den Eltern droht Gefängnis, Yilmaz müsste als Kurde zum türkischen Militär. Was aus dem jungen Yiğit würde, ist ungewiss.

Derzeit sitzen Yilmaz und Vater Tosun im Wiener Polizeianhaltezentrum in Abschiebehaft. Zuvor waren auch bereits Yiğit und seine Mutter in Schubhaft. Nun warten sie in Ungewissheit, was weiter mit ihnen passieren wird. Am heutigen Donnerstag ist eine weitere Einvernahme geplant, wie mir Gerhard Mack vom Soli-Komitee für die Familie erzählt.

Danach könnte die Abschiebung sehr schnell durchgeführt werden könnte, wenn es kein Einlenken der Behörden gibt. Ich habe mit Meryem Kaya über ihre aktuelle Situation und die Gefahren für die Familie in der Türkei gesprochen. Aufgrund der Pandemie  sowie der Sprachbarriere haben wir das Interview schriftlich und mit Hilfe eines Übersetzers geführt.

Wie geht es Ihnen, Frau Kaya?

Ich habe Angst. Falls wir abgeschoben werden, werden mein Mann und ich ins Gefängnis gesteckt werden. Mein älterer Sohn wird zur Armee eingezogen werden und mein jüngerer Sohn wird alleine zurückbleiben. Das macht mich sehr traurig. Ich habe Angst, dass mein Sohn in der türkischen Armee wegen unserer Flucht nach Österreich ausgegrenzt und angegriffen wird und dass ihm was zustößt.

Sie sind vor rund fünf Jahre nach Österreich geflüchtet. Warum?

Wir sind kurdische AlevitInnen aus der Region Elbistan im Südosten der Türkei. Wir waren auch in der [Anm.: linken, pro-kurdischen Oppositionspartei] HDP aktiv. Wir kurdische AlevitInnen haben in der Türkei keine Chance auf ein normales Leben. In der Türkei sind AlevitInnen und KurdInnen immer Menschen zweiter Klasse. Meine Kinder wurden in der Schule immer ausgegrenzt. Wir haben die politische Verfolgung, den Rassismus und die Ungerechtigkeiten nicht mehr ausgehalten und haben uns entschieden, nach Europa zu flüchten.

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Wir konnten gerade noch rechtzeitig flüchten. Kurz nach unserer Flucht verhaftete die türkische Polizei in unserer Region Elbistan mehrere HDP-AktivistInnen. Darüber haben damals auch türkische Medien berichtet.

Warum glauben Sie, dass Sie und ihr Mann nach ihrer Abschiebung verhaftet würden?

Die türkische Regierung droht aktuell damit, die gesamte HDP zu verbieten. Allein in den letzten Tagen wurden hunderte Menschen verhaftet, darunter zahlreiche FunktionärInnen der HDP.

Die beiden früheren Parteivorsitzenden und zahlreiche andere AktivistInnen der Partei sitzen seit Jahren im Gefängnis. In dieser Situation ist klar, dass wir als Flüchtlinge und ehemalige HDP-AktivistInnen sofort ins Gefängnis kommen würden.

Wie geht es Ihnen und Ihrer Familie mit dieser Situation?

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Die Situation ist extrem schwierig. Mein Sohn und mein Mann sind seit Wochen in Österreich im Gefängnis. Wir brauchen dringend Hilfe. Als wir abgeholt wurden, um abgeschoben zu werden, hatten meine Kinder und ich große Angst. Ich muss aktuell viele Medikamente gegen Depressionen nehmen und ich habe Angstzustände. Meine Kinder brauchen ebenfalls Hilfe. Wir haben niemandem etwas getan. Wir wollen nur in Frieden und Freiheit leben.

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Sie haben jetzt mehrere Jahre in Tirol gelebt. Wie ist es ihnen dort gegangen?

Wir konnten hier endlich in Frieden leben. Meine Kinder konnten in die Schule gehen, ich habe zwei Jahre bei der Gemeinde gearbeitet. Meinen Kindern ist die Schule extrem wichtig, Yilmaz ist jeden Tag eineinhalb Stunden nach Imst und zurück gefahren, damit er in die Schule gehen kann. Wenn wir in die Türkei abgeschoben werden sollten, werden meine Kinder nicht auf Türkisch am Unterricht teilnehmen können. Sie sind seit fünf Jahren hier und haben sich an den Unterricht auf Deutsch gewöhnt.

Was wünschen Sie sich?

Ich wünsche mir, dass mein Mann und mein Sohn aus der Schubhaft entlassen werden. Ich wünsche mir, dass meine Kinder wieder zurück in die Schule gehen können. Und ich wünsche mir, dass mein Mann und ich arbeiten gehen können und endlich ein halbwegs normales Leben haben. In der Türkei ist unser Leben in Gefahr. Wir wollen nur Ruhe und Frieden.

Hier könnt ihr mehr Hintergründe zum Fall der Familie Kaya lesen:

Das nächste Kind und seine Eltern sollen abgeschoben werden

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