„Das muss der letzte Akademikerball sein.“

Bild: David Prokop

[Vice] ​Die Vorbereitungen für die Proteste gegen den Akademiker-Ball laufen bereits auf Hochtouren. Die Offensive gegen Rechts hat sich nun ein starkes Ziel gesetzt.

Bereits im letzten Jahr gab es breite Proteste gegen den Burschenschafter-Ball, rund 8.000 Menschen waren dabei auf der Straße. Dabei ging vor allem der Stolz so manches Burschenschafters zu Bruch, aber auch einige Glasscheiben mussten dran glauben. Staatsanwalt Kronawetter verwechselte darauf Wien sogar mit einem Kriegsgebiet und klagte mehrere Menschen an (war der Mann je in einem Krieg?). Bis heute laufen mehrere hundert Verfahren. Josef S. und andere wurden bereits verurteilt, meist wegen des diffusen Paragraphs „Landfriedensbruch“.

Im Jänner 2014 errichtete die Polizei ein riesiges Sperrgebiet, das große Teile der Wiener Innenstadt umfasste. Die Burschenschafter konnten weitgehend ungehindert anreisen, während viele DemonstrantInnen eher unkoordiniert versuchten, Zugänge zur Hofburg zu blockieren. Das soll diesmal anders werden. Die „Offensive gegen Rechts“, ein breites Bündnis von sozialdemokratischen Jugendstrukturen, Gewerkschaften sowie marxistischen und trotzkistischen Organisationen, plant nun nochmals eine deutliche Ausweitung der Proteste.

Käthe Lichtner von der OGR erzählt, dass am 30. Jänner 2015 vor allem Blockaden im Vordergrund stehen sollen: „Wir wollen es für die Burschis unmöglich machen, in die Hofburg zu kommen. Unser Motto wird lauten: ,Akademikerball blockieren – das muss der letzte sein‘. Unsere genaue Strategie werden wir bereits im Vorfeld öffentlich bekannt geben.“ Das Ziel der OGR ist dabei eindeutig formuliert: „Wir haben das erklärte Ziel, den Akademikerball mit den Methoden des zivilen Ungehorsams, konkret mit Blockaden zu verhindern. Dabei wird von uns keine Eskalation ausgehen. Gleichzeitig sind wir mit allen Menschen solidarisch, die gegen die Burschenschafter auf die Straße gehen.“

Für die Burschenschafter war das früher alles weit einfacher gewesen. Bis zu 3.000 konnten jedes Jahr in aller Ruhe mit ihrer Begleitung in der Wiener Hofburg zum Rechtswalzer des „Wiener Korporationsrings“ (WKR) zusammenkommen. Den Ehrenschutz übernahmen honorige Personen, noch bis 2008 waren die Rektoren von fünf Unis im Ehrenkomitee, darunter von der TU Wien und Graz. Die Tanzschule von Benimmpapst Thomas Schäfer-Elmayer organisierte die Eröffnungspolonaise für die akademische Rechte.

Auch die Crème de la Crème der internationalen Rechten ließ sich das burschenschaftliche Tanzvergnügen nicht entgehen. So besuchten den Ball in den vergangenen Jahren etwa die Vorsitzenden des französischen Front National, Jean Marie und Marine Le Pen, der damalige Fraktionsvorsitzende des belgischen Vlaams Belang, Filip Dewinter, der Vorsitzende von ProNRW, Markus Beisicht oder Kent Ekeroth, Parlamentsabgeordneter für die Schwedendemokraten.

Dennoch ändern sich die öffentlichen Zeiten und auch die Burschenherrlichkeit in der Hofburg wurde zum Thema. Ab dem Ende der 2000er Jahre geriet der WKR-Ball zunehmend ins Zentrum antifaschistischer Kritik. Auch die Hofburg Betriebsgesellschaft geriet unter Druck. Die Hofburg GesmbH gehört einer Reihe prominenter Firmen, unter anderem dem weltberühmten Hotel Sacher. Letztes Jahr etwa wurde ein „Walk of Shame“ vor den Hotels Sacher, Intercontinental und Stephanie veranstaltet. Doch in einem geschickten Kniff übernahm die FPÖ den Ball vom Korporationsring und richtet ihn seit 2013 als „Akademikerball“ aus. Die Hotels waren fein raus, denn sie argumentierten, dass einer Parlamentspartei die Hofburg nicht verwehrt werden könne.

Und so konnten FPÖ-Parteichef Strache und seine „Neuen Juden“, wie er die rechtsextremen Burschenschafter 2012 nannte, weiterhin in der Hofburg tanzen. Die Teilnahme am Burschenschafter-Ball hat allerdings in den letzten Jahren auffallend abgenommen, heuer waren es gerade noch einige hundert bis allerhöchstens tausend Deutschnationale. Die Proteste haben also deutlich Wirkung gezeigt.

Die Übernahme des Balls durch die FPÖ ist dabei kein Betriebsunfall. Die FPÖ-Spitze war und ist in der Hofburg immer prominent vertreten gewesen. Für Bundesparteiobmann Strache etwa ist der Ball ein Pflichttermin (obwohl er dort ein wenig belächelt wird, denn Strache war nur „Pennäler“, also Schüler-Burschenschafter). Der Hintergrund: Die Burschenschaften spielen für die FPÖ eine enorm wichtige Rolle, sie stellen die ideologische Kaderreserve der Partei dar. Sowohl im Nationalrat wie in vielen Landtagen ist die Mehrheit der männlichen FPÖ-Funktionäre Mitglied einer Burschenschaft.

Oft wirken diese Burschenschaften eher wie ein paar Männer, die sich gerne zusammen betrinken und sich ab und zu gegenseitig Schmisse verpassen. Dieser Eindruck ist auch sicherlich nicht von der Hand zu weisen. Doch steckt politisch weit mehr dahinter. Ein Beispiel dafür ist die „Akademische Burschenschaft Olympia“, die in einer breiteren Öffentlichkeit bekannt geworden ist, nachdem ihr „Alter Herr“ Martin Graf mit den Stimmen von FPÖ, ÖVP und Teilen der SPÖ zum dritten Nationalratspräsidenten gewählt worden war. (Das Amt hatte er bis 2013 inne, doch mit dem Abgeordneten Harald Stefan sind die Olympen weiterhin im Parlament vertreten.) Die Olympen waren in den 1960ern sogar bereits einmal aufgelöst worden, nachdem einige ihrer Mitglieder in Bombenanschläge verwickelt waren. Auf der „Bude“ der Olympia treten Neonazis wie Michael Müller auf, der durch das Lied „Mit sechs Millionen Juden, da fängt der Spaß erst an“ einschlägig bekannt wurde. Im Dachverband „Deutsche Burschenschaft“ bilden die Olympen gemeinsam mit anderen „Ostmärkern“ in der sogenannten „Burschenschaftlichen Gemeinschaft“ das Rückgrat der Burschenschaften, die immer wieder mit NS-Gedankengut verbunden werden. Es handelt sich hier also keineswegs um eine rechte Spaßtruppe, sondern auch einschlägig aktive und gut vernetzte Rechtsextreme finden dort eine Heimat.

Die OGR möchte den Rechtsextremismus auch weiterhin thematisieren, doch in diesem Jahr auch einen Schwerpunkt darauf legen, wie die FPÖ ihrer Ansicht nach soziale Fragen mit rassistischen Antworten verbindet. Käthe Lichtner sagt: „Gerade rund um die aktuellen Verurteilungen bei der Hypo zeigt sich ja die Verbindung von FPÖ und großem Kapital. Für uns ist wichtig, zu betonen, dass die Grenzen zwischen oben und unten verlaufen und nicht zwischen Menschen verschiedener Herkunft.“

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