Das sind die Terror-Chats der Corona-Leugner*innen

Bild: BMI. Grafik und Screenshot: Michael Bonvalot

Sie planen Anschläge, wollen Bomben bauen, wollen Menschen skalpieren. Rechte Corona-leugner*innen, unter ihnen Ex-Soldat*innen, planen in geheimen Gruppen den Umsturz. Ich lese seit Wochen heimlich mit. Jetzt gab es Hausdurchsuchungen. Exklusiv: Die Terror-Chats.

„Jede Ratte wird der Skalp abgezogen und auf der Strassenlaterne aufhängen“ und „Glasscherben und Nägel können grossen Schaden anrichten bei der Parasiten Bekämpfung“. So droht „Anna Lena“ in der Telegram-Gruppe „AUT Bund“. Und sie kündigt an: „Ich weiss wie man Sprengstoff selbst herstellen kannst“.

Nachdem „Anna Lena“ die Anleitung geschickt hat, erklärt sie: „Hat eine ähnliche Wirkung wie tnt“. Andere stimmen der Idee zu: „bin nie zu einer Schiesserei mit Messer gekommen“, antwortet darauf ein Mann [Alle Rechtschreibfehler im Original.] Dann wird darüber debattiert, wie die Bomben am besten aussehen müssten. Eine Idee: Schrapnelle. Denn: „Glasscherben machen üble Verletzungen und wir wollen doch nicht das diese Raten ungezeichnet weiterleben.“

Die Gruppe, in der all das diskutiert wird, heißt „AUT Bund“, es ist eine geheime Gruppe auf der Plattform Telegram. In dieser Gruppe und in der ebenfalls geheimen Schwestergruppe „AUT Wien“ versammeln sich seit Wochen rechte Corona-Leugner*innen. Jetzt haben die Behörden reagiert, im Umfeld der beiden Gruppen gab es Hausdurchsuchungen.

Es droht ein rechtsterroristischer Untergrund

In den beiden geheimen Gruppen glauben die Rechten offenbar, unter sich zu sein. Ein Fehler – denn ich lese seit Wochen in den einschlägigen Gruppen mit. Was ich dort lese, ist erschütternd. Und es bestätigt leider die Einschätzungen und Warnungen, die ich bereits seit Wochen in Artikeln und Interviews äußere: Die Szene radikalisiert sich rasend schnell. Es droht ein rechtsterroristischer Untergrund.

Aktiv geworden sind die beiden Gruppen gegen Ende April. Aus diesem Milieu kamen auch die Morddrohungen gegen mich, die ich am 1. Mai veröffentlicht habe. Seitdem lesen mehrere Personen in beiden Gruppen mit, erste Chat-Protokolle wurden Anfang Mai an die Behörden übergeben. Darauf haben die Behörden reagiert.

Am 14. Mai kam es zu ersten Hausdurchsuchungen in Wien, Niederösterreich, Oberösterreich, der Steiermark und Vorarlberg, wie das Innenministerium auf meine Anfrage bestätigt. Am 20. Mai hat das Innenministerium die Hausdurchsuchungen öffentlich gemacht. Gefunden wurden dabei laut Innenministerium zwei Faustfeuerwaffen, eine Langwaffe, etwa 3500 Stück Munition sowie diverse paramilitärische Ausrüstungsgegenstände.

Der 14. Mai wurde dabei nicht zufällig gewählt: Für den Aufmarsch am 15. Mai in Wien hatte die Gruppe militante Aktionen geplant. Am 14. Mai hatte daher auch ich erstmals zu den einschlägigen Gruppen berichtet. Ein Behörden-Sprecher bestätigt mir gegenüber, dass die Hausdurchsuchungen die Gruppen AUT Bund und AUT Wien betroffen haben.

Es gibt Mord- und Terroraufrufe in rechten Corona-Gruppen

Offenbar als Folge setzte an diesem Tag dann auch ein Exodus aus der Gruppe AUT Bund ein, zahlreiche Personen verließen die Gruppe. Eventuell darunter auch jene, bei denen eine Hausdurchsuchung stattgefunden hat.

Sammelbecken für (ehemalige) Soldat*innen

Besonders brisant: Unter den Personen, die in diesen Gruppen schreiben, sind zahlreiche (zumindest ehemalige) Soldat*innen. „Anna Lena“ etwa war laut eigenen Angaben bei verschiedenen Einheiten des Bundesheers. Ein Mann schreibt, er hätte „gedient“ und wäre danach freiwillig im Kosovo gewesen.

Ein Jahr Corona-Aufmärsche in Österreich

Auch Offiziere sollen dabei sein: Ein Teilnehmer der Gruppe etwa behauptet, er wäre Oberleutnant der Reserve. Und intern sprechen die rechten (Ex-)Soldat*innen Klartext: Ein „Team aus Ex-Soldaten und Ex-Polizisten“ solle aufgebaut werden, heißt es in einer öffentlichen Gruppe. In der geheimen Gruppe wird dann beschrieben, was diese Teams tun sollten: „Wir Soldaten haben eins gelernt die Linie wird nicht aufgegeben egal was passiert.“

Neben den Anleitungen zum Bombenbau werden auch taktische Überlegungen für Corona-Aufmärsche getroffen. Eine Gruppe etwas solle „mit molotovs bewaffnet [werden] und anderen wurf Gegenständen“. So könnten die „Ratten“ bekämpft werden. Damit sind offenbar sowohl Antifaschist*innen wie die Polizei gemeint. Mit „Pech vom Tannenbaum“ könnten „sehr heisse Geschenke“ zubereitet werden. Das löst eine Diskussion über möglichst effektive Angriffswerkzeuge aus.

„Nägel mit Rattengift“

„Blasrohre mit FensterKitt dort sind Nägel mit rattengift versetzt sind lautlos und sehr schmerzhaft“, wirft wieder „Anna Lena“ ein. Als Antwort fragt „Spartacus“, ob nicht doch eher „Buttersäure“ das Mittel der Wahl sei. Dann folgt eine längere Anleitung, etwa „Böller in ein stabiles Kartonrohr mit Reißnägel oder kleinen Stahlnägel drin“. Gedacht werden solle „wie in der Gerilia Taktik“.

Parallel wird darüber diskutiert, welche Waffen besorgt werden könnten. „Ich habe mir schon eine kalaschnikov angeschaut beim Waffenhändler in Bregenz“, schreibt „Anna Lena“. Ein Mann ergänzt, er hätte zwei Stück Glock 19. Dann werden Pläne geschmiedet, Waffen aus Kasernen zu stehlen, die wären an Wochenenden „nicht stark bewacht“. „Anna Lena“ behauptet auch, sie würde drei Waffenlager in Vorarlberg kennen mit Maschinengewehren, Sturmgewehren, Handgranaten und Panzerabwehr-Waffen.

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Drohungen mit Gewalt und Mord

Gegen Journalist*innen und Antifaschist*nnen gibt es laufend Gewaltfantasien, vor allem ich stehe dabei im Fokus. Mehrmals werden auch Bilder von mir geteilt. Immer wieder gibt es Drohungen, nicht nur die bereits erwähnte Morddrohung, sondern auch direkte Pläne: „I hoff I dawisch den Wixxer am 15“, schreibt etwa eine Person. Gemeint ist der Aufmarsch in Wien am 15. Mai. Mutmaßlich waren dort mehrere Mitglieder der geheimen Zellen vor Ort.

Screenshot aus der Gruppe mit einem Bild, das mich am 1. Mai 2021 in Wien zeigt

Bereits in meiner Live-Berichterstattung von diesem Aufmarsch hatte ich mehrmals darauf hingewiesen, dass die Situation extrem aggressiv ist und mehrere Personen mit Uniformversatzstücken in den ersten Reihen versammelt sind. Das könnten Teilnehmer der geheimen Chats gewesen sein. Aus diesem Umfeld kamen auch „Bonvalot muss weg“-Sprechchöre – am Donaukanal organisierte die Gruppe dann sogar einen kurzen Sitzstreik, um dagegen zu protestieren, dass ich vor dem Aufmarsch gehe und berichte. Es würde zu den laufenden Drohungen in den internen Kanälen passen.

Die Gruppe wollte es dabei offensichtlich nicht bei Plänen und Gewaltfantasien belassen. So sollte etwa eine Almhütte gemietet werden, entweder in Mondsee oder in Bad Aussee. Diskutiert wurde auch bereits ein „Ausbildungscamp“. Und bereits beim Corona-Aufmarsch am 10. April dürften Mitglieder der Gruppe gemeinsam aufgetreten sein. Die Gruppe war mit grünen Armbinden gekennzeichnet und suchte die Auseinandersetzung an Polizeisperren.

Am 14. Mai hatte ich gewarnt: „Die Szene der Corona-Leugner*innen und extremen Rechten ist brandgefährlich. Und sie radikalisiert sich immer schneller. Wir müssen wachsam sein.“ Es bestätigt sich leider auf eindrückliche Weise.

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