Austria würdigt Opfer des Holocaust

Credit: Bildagentur Zolles

Die Mannschaft und das Betreuerteam des FK Austria Wien haben am Donnerstag anlässlich des Gedenkjahres 2018 das Mahnmal für die jüdischen Opfer des Holocaust in Wien besucht. Vor 80 Jahren brach der gesamte, achtköpfige jüdische Vorstand der Austria in der Folge des „Anschlusses“ von einen Tag auf den anderen weg.

Bis zum „Anschluss“ an Nazi-Deutschland bestand der achtköpfige Vorstand der Wiener Austria zur Gänze aus Menschen jüdischen Glaubens. Von den Nazis wurden sie vertrieben, inhaftiert oder ermordet. Das selbe Schicksal traf auch zahlreiche Anhänger der Violetten.

Am Donnerstag besuchten die Austria-Mannschaft sowie das Betreuerteam geschlossen das Mahnmal am Judenplatz in Wien. So sollen „die Geschichte und damit verbundenes Bewusstsein weiter am Leben erhalten“ werden und gleichzeitig der eigenen Wurzeln und der eigenen Geschichte Rechnung getragen werden, wie der Verein in einer Aussendung schreibt.

Prägend für den Verein war etwa Emanuel „Michl“ Schwarz. Er war ab 1932 Präsident der Austria, 1938 musste er vor den Nazis flüchten. Er überlebte die Verfolgung und wurde zwischen 1945 und 1955 nochmals Präsident der Veilchen.

Der legendäre Klubsekretär Norbert Lopper, auch als „Mister Austria“ bekannt, hat die Flucht nicht geschafft. Er ging durch die Hölle von Auschwitz. Er überlebte, doch seine Frau Rebecca wurde in Auschwitz von den Nazis ermordet. Bis 1983 war Lopper Klubsekretär der Violetten. Zwei weitere Vorstandsmitglieder der Austria hingegen haben den NS-Terror nicht überlebt. Sie wurden von den Nazis umgebracht.

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Und auch der Widerstand gegen den Faschismus sollte in den Genen der Austria verankert sein. Immerhin war auch Franz Horr, der langjährige Namensgeber des Austria-Stadions, ein „Revolutionärer Sozialist“ und Kämpfer gegen den Faschismus.

Gegen jede Form von Rassismus, Diskriminierung oder Homophobie

Austria-AG-Vorstand Markus Kraetschmer erklärt „Wir sind uns unserer gesellschaftlichen Verantwortung und Vorbildwirkung als Fußballklub bewusst und wollen an diesen Teil der österreichischen Geschichte erinnern. Das ist jetzt 80 Jahre her, Zeitzeugen gibt es nicht mehr viele – umso wichtiger ist es, sich diesen Teil der Geschichte in Erinnerung zu rufen. Wir treten als Austria Wien sehr entschieden gegen jegliche Form von Rassismus, Diskriminierung oder Homophobie auf. Die jüdische Geschichte ist ein wichtiger Teil der Austria. Deshalb ist es uns als Klub besonders wichtig, dass unsere Spieler auch wissen und verstehen, was diese Geschichte für uns bedeutet und sie sich einige Minuten Zeit nehmen, um dem zu gedenken.“

Gleichenfeier im neuen Austria-Stadion. Eine Bildreportage.

Kapitän Alex Grünwald stimmt zu: „Das waren bewegende Momente. Ich glaube, als Austrianer sollte man die Geschichte des Klubs kennen. Das ist vor allem auch für neue Spieler wichtig. Ich finde es gut, mehr über die Hintergründe der damaligen Zeit zu erfahren.“

Die Austria hat seit Jahren ein Problem mit Neonazis in ihrer Fanszene. Das Statement der Austria ist daher umso bedeutender. Denn lange hat die Austria auf Kritik vor allem mit der Linie „Keine Politik, keine Gewalt, keine Pyrotechnik“ reagiert. Damit wurden aber Rassismus und Homophobie nicht direkt angesprochen. Erst im August haben Austria (und Rapid) Kritik von mir an der laxen Vereinspolitik in offiziellen Statements zurückgewiesen.

Wie brauchbar sind die Austria- und Rapid-Statements zu Rechtsextremismus?

Es gibt also noch viel zu tun. Immer wieder tauchen rund um die Austria neonazistische Aufkleber auf, regelmäßig stimmen die Vorsänger homophobe Sprechchöre an. (Hier findet ihr meine Artikel zu Fußball-Fanszenen). Gleichzeitig gibt es bei der Austria auch viele antifaschistische Fans. Auch die linken Austria-Fans von „Ostkurve statt Ustkurve“ sind sehr aktiv und produzieren etwa regelmäßig Aufkleber.

Umso wichtiger ist das aktuelle Statement der Austria. „Wir treten als Austria Wien sehr entschieden gegen jegliche Form von Rassismus, Diskriminierung oder Homophobie auf“. Das ist eine klare und eindeutige Botschaft – auch an Nazis, die offenbar weder Ahnung von noch Interesse an der Geschichte des Klubs haben. Mit der Kranzniederlagung beim Denkmal für die Opfer der Shoah gedenkt der Verein seiner Geschichte und holt sie in die Gegenwart. Es ist ein wichtiges Signal nach Innen und Außen.

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