Das EKH in Wien wurde von Faschisten angegriffen

Provokationen der faschistischen Grauen Wölfe waren zuvor von Linken zurückgeschlagen worden. Ich war live vor Ort – hier könnt ihr lesen, was passiert ist.

Das linke Zentrum Ernst-Kirchweger-Haus (EKH) in Wien-Favoriten wurde Mittwochabend von mindestens hundert faschistischen Grauen Wölfen angegriffen. Die Faschisten versuchten, die Türen des Hauses aufzubrechen, wie mehrere AktivistInnen erzählen. Zahllose Flaschen flogen auf das Gebäude, die Wielandgasse vor dem EKH war nach dem Angriff von Splittern übersät.

Ein Eindringen in das Zentrum selbst konnten die anwesenden österreichischen, kurdischen und türkischen Linken verhindern, die sich im Haus aufhielten. Im EKH hat neben mehreren anderen linken Initiativen auch die kurdisch-türkische ATIGF (Föderation der ArbeiterInnen und Jugendlichen aus der Türkei in Österreich) ihr Vereinslokal.

Auch die Feuerwehr musste später anrücken, nachdem es eine gröbere Rauchentwicklung gab. Der Rauch könnte auf Böller zurückzuführen sein. Die Polizei war erst relativ spät vor Ort und sperrte danach die Straße vor dem Haus. In Folge zogen sich die Faschisten Richtung Reumannplatz zurück, um sich schließlich nach Auseinandersetzungen mit der Polizei zu zerstreuen.

Verteidigung mit Fahnenstangen

Ebenfalls von den Faschisten angegriffen wurde der neben dem EKH ansässige linke türkisch-kurdische Verein DIDF. Dort hatten sich die Menschen mit Fahnenstangen verteidigt, wie mir ein Aktivist erzählt. Bei der DIDF ging zumindest eine Scheibe zu Bruch, doch in das Lokal selbst konnten die Faschisten auch hier nicht eindringen.

Vorangegangen war dem Angriff auf das EKH eine linke Kundgebung und Demonstration auf der nahegelegenen Favoritenstraße. Dort hatten sich mehrere hundert kurdische, türkische und österreichische Linke versammelt, nachdem es bereits gestern zu einem Angriff der Grauen Wölfe auf eine linke Kundgebung gekommen war.

Erste Angriffe am Mittwoch und Donnerstag nachmittag

Auch am Mittwoch waren die Faschisten bereits vor das EKH gekommen, erzählt eine Augenzeugin. „Sie haben uns mit Messern bedroht“, erzählt sie. „Wir werden euch umbringen“, hätten Faschisten gedroht. „Sie wollten ins EKH eindringen“, erzählt mir ein weiterer kurdischer Aktivist. Hier könnt ihr lesen, was am Mittwoch alles passiert ist.

Graue Wölfe greifen in Wien eine linke Kundgebung an

Bei der Kundgebung beim Viktor-Adler-Markt auf der Favoritenstraße am Donnerstag nachmittag gab es dann ebenfalls wieder faschistische Provokationen. Rund hundert junge extreme Rechte provozierten mit dem faschistischen „Wolfsgruß“ sowie türkisch-nationalistischen und religiösen Parolen. Die Polizei, die mit starken Kräften vor Ort war, reagierte lange Zeit nicht. Erst als zahlreiche Linke in Richtung der Faschisten losmarschierten, trieb die Polizei die extremen Rechten Richtung Reumannplatz.

Als die internationalistische Demonstration schließlich startete, gab es ebenfalls immer wieder Provokationen der extremen Rechten aus verschiedenen Seitengassen. In der Gudrunstraße soll ein Faschist DemonstrantInnen sogar mit einem großen Messer bedroht haben, wie mir mehrere Personen unabhängig voneinander unmittelbar nach der Situation erzählt haben.

Solche Drohungen müssen absolut ernst genommen werden. Die Grauen Wölfe sind eine faschistische Terrororganisation, die in der Türkei tausende KurdInnen und Linke ermordet hat. Sie sind auch eng mit der organisierten Kriminalität und dem internationalen Drogenhandel verbunden. Ihr politischer Arm, die MHP, ist eng verbunden mit der AKP von Präsident Recep Tayyip Erdoğan. Hier habe ich mehr über die Hintergründe der Grauen Wölfe in Österreich aufgeschrieben.

In Wien war es zuletzt am 1. Mai zu Provokationen gekommen. Auch damals hatten die Faschisten eine linke Kundgebung auf der Favoritenstraße angegriffen. Hier könnt ihr mehr zu diesem Angriff lesen.

Faschisten müssen flüchten

Am heutigen Donnerstag endeten die rechten Provokationen schließlich vorerst, als zahlreiche FaschistInnen in der Gudrunstraße von anrückenden Linken verjagt wurden. Die internationalistische Demonstration endete dann gegen 20 Uhr am Hauptbahnhof. Danach zogen allerdings noch kleinere vor allem links-kurdisch geprägte Demonstrationsgruppen durch die Favoritenstraße – und wieder konnte ich sehr schnell laufende Faschisten beobachten.

[Du kannst das folgende Banner wegklicken und danach weiterlesen. Du kannst über das Banner auch sehr gern künftige Recherchen mit Meinung und Haltung unterstützen.]

Später am Abend sammelten sich die Faschisten allerdings erneut, um gezielt das EKH anzugreifen. Diese Angriffe begannen um kurz vor 22 Uhr, während der große Teil der linken DemonstrationsteilnehmerInnen bereits am Weg nach Hause war.

Nachdem der erste Angriff zurückgeschlagen werden konnte und danach auch Polizeikräfte auftauchten, wurde über die verschiedenen Kanäle der Wiener Linken Unterstützung mobilisiert. Unterdessen beschlossen die AktivistInnen und BeschützerInnen im EKH eine spontane Demonstration. Ich selbst war zu diesem Zeitpunkt im Haus und betrat dann gemeinsam mit den AktivistInnen wieder die Straße. „Wir werden uns die Straße zurückholen“, sagte mir ein Aktivist im EKH kurz vor Beginn der Demo.

Gegen 23 Uhr zogen schließlich nochmals rund hundert österreichische, kurdische und türkische Linke mit einem spontanen Demonstrationszug vom EKH zum Hauptbahnhof. Lautstark tönte dann die zweisprachige Parole „Schulter an Schulter gegen den Faschismus – Faşizme Karşı Omuz Omuza“ auf Deutsch und Türkisch durch Wien-Favoriten.

Demos am Freitag und Samstag

Als Reaktion auf die Angriffe rufen linke Organisationen für Freitag um 18 Uhr zu einer Kundgebung vor dem EKH in der Wielandgasse auf. Für Samstag um 17.30 Uhr ist eine Demonstration mit Beginn am Columbusplatz/Favoritenstraße geplant.

Am Ende dieses Artikels sei ein Wort der Medienkritik erlaubt: Es geht bei diesen Auseinandersetzungen nicht um „Kurden“ und „Türken“. Es ist kein „Konflikt zwischen Ethnien“ und auch kein „Bandenkrieg“. Türkische Faschisten, die gezielt linke Demonstrationen provozieren, sind auch keine zufälligen „Passanten“. Es geht hier um eine politische Auseinandersetzung. Angriffe von Faschisten sind auch sicher kein Anlass für Rassismus und Rufe nach Abschiebungen.

Worum es hier geht: Faschisten greifen Linke an. Linke verteidigen sich. Und das muss auch genau so benannt werden.

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