Mega-Flop für die Corona-LeugnerInnen in Wien

Gottfried Küssel (links) und Kameraden beim Hauptbahnhof. Bild: Michael Bonvalot

Trotz versuchter Großmobilisierung weit weniger TeilnehmerInnen als in den letzten Wochen. Wieder dabei: Rechtsextreme, Neonazis, Verschwörungstheorien.

Das war eine herbe Niederlage für die Corona-LeugnerInnen in Wien! Eine „XL Megademo“ war angekündigt. Doch nur bestenfalls rund 1500 Personen folgten am Samstagnachmittag dem Aufruf einschlägiger Gruppen zu einem neuerlichen Aufmarsch in Wien. Mehrere verstreute Märsche zogen durch Wiens innere Bezirke, doch bereits vor 18 Uhr lösten sich die letzten kleinen Gruppen endgültig auf.

Aufgerufen hatten die inzwischen notorisch bekannten extrem rechten Führungsfiguren der Aufmärsche wie etwa Martin Rutter. Wieder mit dabei waren einschlägige extreme rechte Gruppen, etwa Neonazi-Führer Gottfried Küssel mit Begleitung, Kader der neofaschistischen Gruppe Identitäre sowie bekannte Fußball-Hooligans aus Wien und anderen Bundesländern. Doch die Mobilisierung fiel sehr deutlich hinter die letzten Aufmärsche in Wien zurück.

Chaos im Vorfeld

Verantwortlich dafür könnten mehrere Aspekte sein. Vor allem hatten sich die OrganisatorInnen offenbar gründlich verschätzt und bei ihren Mobilisierungsversuchen ein komplettes Chaos ausgelöst. Erst am Samstag zu Mittag sollte der Treffpunkt für den Aufmarsch bekannt gegeben werden – nicht unbedingt sehr dienlich für eine bundesweite Mobilisierung. Bei bisherigen Aufmärschen in Wien kam ein großer Teil der TeilnehmerInnen mit Bussen und PKWs aus anderen Bundesländern.

Ein Gutteil davon blieb an diesem Samstag allerdings offenbar daheim. Die unklare Mobilisierung könnte dabei durchaus eine Rolle gespielt haben. Und sogar am Samstagmittag kursierten noch unterschiedliche Informationen in den einschlägigen Gruppen auf Telegram. So schrieb etwa Rutter in einschlägigen Gruppen von einem Treffpunkt rund um den Heldenplatz. Ein weiterer Organisator, Alexander Ehrlich, schrieb dagegen von 64 Kundgebungen im gesamten Stadtgebiet. Entsprechend verwirrt war offenbar ein großer Teil der potentiellen MarschiererInnen.

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Ein weiterer Aspekt für die kleinere Mobilisierung ist wohl, dass für Personen aus anderen Bundesländern die Aufmärsche in Wien zunehmend weniger attraktiv erscheinen. Mehrere Stunden in einem Bus, danach nur kurz marschieren und potentiell eine Anzeige – es gibt vermutlich angenehmere Möglichkeiten, das Wochenende zu verbringen. Allerdings war es auch am heutigen Samstag wiederum deutlich sichtbar und hörbar, dass die Mobilisierung wesentlich von Personen getragen wird, die extra angereist sind.

Langer Marsch

Erst nach und nach sammelten sich mehrere hundert Personen beim Wiener Hauptbahnhof, ein großer Teil musste zu Fuß aus der Innenstadt marschieren. Dabei zeigte sich auch wieder die Ortsunkenntnis von Teilen des Organisationsteams: Sie hatten in ihren Mobilisierungsaufrufen behauptet, dass der Hauptbahnhof ganz in der Nähe der Wiener Ringstraße liegen würde. Tatsächlich sind es vom Heldenplatz drei Kilometer zu Fuß.

Beim Hauptbahnhof dann das das bereits übliche Bild: Corona-Verschwörungstheorien, antisemitische Qanon-Fahnen, Neonazi-Kader Gottfried Küssel samt Gefolgschaft sowie einschlägige Hooligan-Milieus. Diese Gruppen konnten sich dann tatsächlich sammeln und über den Wiener Gürtel marschieren. Allerdings war hier nach nur wenigen hundert Metern Schluss.

Mehrere hundert Personen wurden von der Polizei gekesselt, es wurden Identitätsfeststellungen vorgenommen sowie Anzeigen angekündigt. Dabei kam es zu Beginn auch zu einem Durchbruchsversuch von einschlägigen Gruppen – der allerdings eher dilettantisch durchgeführt wurde und schnell in sich zusammenbrach.

Provokation und Angriffe

Parallel sammelten sich allerdings auch weitere Gruppen, die es offenbar geschafft hatten, dem Kessel zu entkommen. Diese zogen dann über verschiedene Wiener Straßenzüge, etwa die Wiedner Hauptstraße und später auch die Mariahilferstraße sowie in den achten Bezirk. Dabei wurden meine Begleitung und ich wiederholt von einschlägigen Hooligan-Gruppen provoziert und auch angegriffen. Bei einer dieser Attacken auf der Mariahilferstraße wurde eine Frau neben mir von einem geworfenen Feuerzeug getroffen.

Andere Gruppen versuchten, die antirassistische Demonstration der „Plattform für eine menschliche Asylpolitik“zu provozieren, die heute parallel zu den Aufmärschen der Rechten stattfand. Im Vorfeld hatten die Führungsfiguren der Corona-LeugnerInnen auch zu dieser Demo mobilisiert und den Eindruck erweckt, dass es eine ihre eigene Mobilisierungen wäre. Das hätte zu einer extrem gefährlichen Situation führen können, hier sind aber bisher keine Zwischenfälle vermeldet.

Eindeutige Niederlage

Insgesamt muss der heutige Aufmarsch in Wien jedenfalls als klare Niederlage für die einschlägigen Gruppen von Corona-LeugnerInnen und extremen Rechten betrachtet werden. Die Mobilisierung ist eindeutig und qualitativ zurückgefallen. Auffallend ist auch, dass die Mobilisierungszeiträume länger werden: Der nächste Aufmarsch in Wien war länger für den 10. April geplant. Doch auch dieses Datum ist vor wenigen Tagen aus den Mobilisierungslisten verschwunden.

Für die Aufmärsche in Wien etwa werden immer neue Namen erfunden, die immer gigantischer klingen sollen. Am heutigen Samstag etwa eine „XL-Megademo“ – doch gleichzeitig mit den immer absurderen Namen gehen die TeilnehmerInnenzahlen zurück.

Eine generelle Entwarnung kann derzeit aber noch nicht abgeleitet werden. So bekamen die Aufmärsche in Wien zwar die meiste mediale Aufmerksamkeit. Doch im Verhältnis zur Bevölkerungsgröße waren sie schon immer weit kleiner als Aufmärsche in kleineren Orten in anderen Bundesländern. Dabei erweist sich derzeit vor allem Oberösterreich als Hotspot, zunehmende Aufmärsche gibt es auch in Salzburg. Eine kritische Beobachtung und Einordnung ist also weiterhin dringend erforderlich.

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