Corona-LeugnerInnen marschieren durch Wien

Vorneweg marschiert sind einschlägig bekannte extreme Rechte. Journalisten und Fotografen wurden bedroht und sogar körperlich attackiert.

„Halten wir Abstand?“, fragt der Einpeitscher. „Nein“, brüllt die Menge. „Tragen wir Masken?“ „Nein!“, brüllt die Menge.

Mehrere hundert Corona-VerharmloserInnen sind am Samstagnachmittag am Wiener Heldenplatz aufmarschiert. Die TeilnehmerInnen des Aufmarschs standen dicht gedrängt, es wurden weder Masken getragen noch Abstände eingehalten. Von der Bühne wurden immer wieder teils völlig abstruse und rassistische Verschwörungstheorien verbreitet.

So wurde etwa durch die Lautsprecher behauptet, dass es einen geheimen Plan zur Pandemie gebe, „massive Migrationströme auszulösen“. Der Höhepunkt war dann aber sicherlich ein offenbar christlich motivierte Redner.

Die Probleme der Maskenpflicht würden bereits in der Bibel erwähnt. Die Corona-Impfung sowie 5G würden „Partikel“ im Körper bedeuten, die dann ein Eigenleben beginnen würden. Es gäbe dann „keine Menschen, sondern Mutanten“. Das wäre „der Plan des Satans“. Im Anschluss an diesen Gaga-Vortrag fragte der Moderator dann in die Menge, wer diese Thesen für völlig abwegig halten würde. So weit für mich sichtbar, hob sich keine einzige Hand. Der Wahnsinn hatte also offensichtlich seine Jünger gefunden.

Obwohl für Kundgebungen klare gesetzliche Regeln in Hinblick auf Abstand und Maske gelten, löste die Polizei den Aufmarsch erst gegen 15.50h auf, also rund zwei Stunden nach Beginn.

Wer steckt hinter den angeblichen Corona-„Rebellen“?

Dementsprechend bedankten sich die Veranstalter von der Bühne sogar bei der Polizei, „dass sie uns so lange gewähren“. Bereits zuvor waren Durchsagen der Polizei, dass auf Masken und Abstand geachtet werden solle, mit Pfiffen und höhnischem Gelächter quittiert worden.

Die behördliche Auflösung selbst wurde dann ebenfalls nicht akzeptiert. Stattdessen folgten als Reaktion Rufe und Sprechchöre wie: „Wir lassen uns nicht auflösen“, „Widerstand“ und auch die Diktatur-Parole „Weg mit den Parteien!“. Von der Bühne wurden Lieder gesungen, dort waren zu diesem Zeitpunkt auch bereits einschlägig bekannte extreme Rechte.

Auffallend war hier das enorm zurückhaltende Verhalten der Polizei. So wurden etwa nicht einmal zusätzliche Kräfte in der Nähe der Bühne zusammengezogen. Bei linken Demonstrationen ist es dagegen eher unüblich, dass die Polizei überhaupt nicht reagiert, wenn einer behördlichen Auflösung keinerlei Folge geleistet wird.

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Offenbar bestärkt davon starteten die Teilnehmer kurz nach 16 Uhr einen spontanen Aufmarsch. Vorneweg peitschen auch einschlägig bekannte extreme Rechte wie Jennifer Klauninger die Stimmung auf. Bekannt wurde Klauninger unter anderem, nachdem sie auf einem Corona-Aufmarsch auf der Bühne eine Regenbogenfahne zerrissen hatte.

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Auffallend war auch bei diesen spontanen Aufmarsch das gute Einvernehmen, das offenbar zwischen Klauninger und der Polizei herrschte. Nachdem der Marsch vom Heldenplatz über das Parlament und den Ring marschierte, zogen die TeilnehmerInnen weiter Richtung Ballhausplatz.

In der zunehmenden Dunkelheit wurde dann auch die Stimmung zunehmend aggressiver, besonders gegenüber anwesenden Journalisten (in diesem Fall ausschließlich männlich). Ein Kollege wurde etwa vom Einpeitscher mit dem Megaphon angebrüllt, er wolle ihn „allein treffen“. Als ich den Schreihals damit konfrontierte und um eine Stellungnahme ersuchte, hielt er mir das Megaphon mit laufender Sirene ins Gesicht.

Schließlich folgten sogar mehrere körperliche Angriffe auf einen Fotografen. Der Kollege wurde gestoßen, bedroht, auch die Maske wurde ihm von einem Mann gewaltsam vom Gesicht gerissen. Besonders entlarvend, nachdem die Teilnehmer des Aufmarschs zuvor noch laufend „Frieden, Freiheit, keine Diktatur“ gerufen hatten.

Was auf diesen Aufmärschen zusammenwächst, ist eine hoch aggressive Mischung aus VerschwörungstheoretikerInnen und extremen Rechten. Und: Wenn die anwesenden Personen sich auf solchen Aufmärschen anstecken, gefährden sie danach auch all jene, die mit ihnen in Konkakt kommen. Achtsamkeit, Vorsicht und Aufmerksamkeit sind geboten.

Falls sich übrigens manche von euch fragen, warum mein Bericht dem Artikel zum Aufmarsch auf heute.at ähnelt: Der gesamte Artikel im Boulevardblatt beruht offensichtlich auf meiner Liveberichterstattung auf Twitter – allerdings ohne darauf hinzuweisen, dass die Informationen von mir stammen.

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