Über 700 Menschen gedenken in Wien der Opfer des Terroranschlags

Zum Schweigemarsch am Schwedenplatz hatten zahlreiche linke Organisationen aufgerufen.

Über 700 Menschen versammelten sich am Mittwochabend zu einem Schweigemarsch am Wiener Schwedenplatz. Rund um diesen Platz hatte am Montag ein djihadistischer Terrorist vier Menschen ermordet. Aufgerufen zum Schweigemarsch hatten das „Bündnis antifaschistische Solidarität“, das „Demokratische Gemeinschaftsbündnis“ sowie zahlreiche weitere linke Organisationen und Strukturen.

Der Schweigemarsch begann mit einer kurzen Auftaktkundgebung am Schwedenplatz. Danach zogen die TeilnehmerInnen vor die nahe gelegene Hauptsynagoge in der Seitenstettengasse, wo der Terror begonnen hatte. Die Spitze des Zuges bildeten dabei vor allem AktivistInnen aus linken türkischen und kurdischen Organisationen, auch die Ansprachen erfolgten nicht nur auf Deutsch. Mamo Mirzani vom Bündnis antifaschistische Solidarität sprach wiederholt auf Türkisch sowie Englisch zu den TeilnehmerInnen.

Vor der Synagoge legten dann zahlreiche Menschen Blumen an einer der spontan entstandenen Gedenkstätten nieder und zündeten Kerzen an. Die Abschlusskundgebung fand schließlich wenige Meter weiter auf dem Platz in der Judengasse statt, wo ebenfalls einer der Tatorte liegt.

Dort legten die OrganisatorInnen einen Kranz im Gedenken an die Opfer nieder, auch hier zündeten wieder zahlreiche Menschen Kerzen an und legten Blumen an den Tatort. Im Anschluss daran gedachten SprecherInnen der Bündnisse „Plattform Radikale Linke, „Offensive gegen Rechts“ sowie des „Demokratischen Gemeinschaftsbündnis“ der Opfer und ihrer Angehörigen und FreundInnen.

Für die OrganisatorInnen, das „Bündnis antifaschistische Solidarität“ sowie die „Demokratische Gemeinschaftsbündnis“, sprach Selma Schacht. Sie begann ihre Ansprache mit den Worten „Unsere Trauer gilt den Opfern und unser Mitgefühl den ihnen Nahestehenden.“ Danach erinnerte Schacht auch daran, dass „jene FreundInnen und GenossInnen, die unter Einsatz ihres Lebens gegen den djihadistischen Terror und seine Unterstützer kämpfen, die die Dunkelheit und das ausgerufene IS-Kalifat besiegt haben, von den Staaten Westeuropas mit Repression überzogen werden“.

Wir dürfen uns vom Terror nicht spalten lassen

Djihadistischer Terrorismus, Antisemitismus, Rassismus und Faschismus seien, so Schacht, alle gleichermaßen „Verfallserscheinungen eines Kapitalismus in permanenter Krise“. Die Sprecherin der Plattform Radikale Linke sagte: „Islamismus ist wie der Faschismus eine menschenverachtende Ideologie“. Er würde mit dem Rechtsextremismus „auch dieselben Feindbilder teilen“. Beispielgebend für den Kampf gegen den IS sei der Kampf der linken YPG/YPJ-Milizen in Syrien.

Sie warnte gleichzeitig davor, dass der Tod der Menschen in Wien nicht dafür instrumentalisiert werden dürfe, „rassistische Stimmungsmache zu betreiben oder autoritäre Maßnahmen durchzusetzen.“

Notwendig sei der „Kampf gegen jede reaktionäre Ideologie und für eine befreite emanzipatorische Gesellschaft. Egal, ob Islamisten, Rechtsextreme oder Neonazis.“ Abschließend wünschte die Sprecherin der Plattform den Opfern und ihren Angehörigen viel Kraft in dieser schwierigen Zeit. Niki Kunrath von den Wiener Grünen kritisierte in seinem Redebeitrag vor allem jene Medien, die aus Sensationsgier und für Klicks und Auflagen die Pietät gegenüber den Opfern des Anschlags vermissen lassen würden.

Für die „Offensive gegen Rechts“ sowie den KZ Verband Wien sprach Dagmar Schindler. Gerade jetzt dürften der Zusammenhalt und die „große gemeinsame Klammer Antifaschismus“ nicht bröckeln. „Der Faschismus tritt in vielen Formen auf“, so Schindler, der Djihadismus sei nur eine davon. Ihre Rede schloss sie mit den Worten: „Keine Macht dem Terror, keine Macht dem Faschismus. Wir lassen uns nicht spalten.“

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