Kurze Burschenschafter-Wege vom Neonazi-Security zur FPÖ-Spitze 

Ein Kabinettsmitglied von FPÖ-Verkehrsminister Norbert Hofer und Wiens Polizeipräsident Pürstl waren in der selben Burschenschaft wie der rechte Parlaments-Security.

Der rechte Parlaments-Security Thomas K.-C. ist nicht nur mit der Neonazi-Szene rund um Gottfried Küssel und mit Fußball-Hooligans bestens vernetzt. Thomas K.-C. ist oder war bis vor Kurzem auch Mitglied der Wiener Burschenschaft Franko-Cherusker. Das ist eine sogenannte pennale Verbindung, also eine Schüler-Burschenschaft.

Obmann dieser Burschenschaft war bis mindestens Ende Dezember 2017 Herwig Götschober. Und der ist seit 2017 Mitglied des Kabinetts von FPÖ-Verkehrsminister Norbert Hofer. Die Wege von der NS-Szene in die Kabinette von Schwarz-Blau sind also bemerkenswert kurz.

Video: Burschenschaften in Wien – Eine Spurensuche

Im Verkehrsministerium hat Götschober als Beauftragter für Soziale Medien die Klappe 8818. Als Buchstaben im Alphabet wären das HHAH. In Neonazi-Kreisen stehen die Codes 88 und 18 für „Heil Hitler“ und „Adolf Hitler“.  Nur die Klappe von Götschober beginnt mit 88, alle anderen mit 80 oder 81. Dass Götschober genau diese Zahlen als Klappe hat, kann aber natürlich reiner Zufall sein …

Screenshot 21.11.2018

Bei der Franko-Cherusker gab es bereits 2010 eine Hausdurchsuchung. Angeblich ging es schon damals um Kontakte zur Küssel-Gruppe „Alpen Donau“, die Burschenschaft bestreitet das.  Thomas K.-C. jedenfalls posierte erst im April 2018 mit einem Shirt mit der Aufschrift „Wir sind alle Alpen Donau Info“ bei einem deutschen Neonazifestival in Ostritz. Hier habe ich darüber berichtet.

Küssel-Gruppe und Fußball-Nazis

Kontakte von K.-C. und von weiteren Mitglieder der Franko-Cherusker gibt es auch zu neonazistischen Fußballfans der Gruppe „Unsterblich“. Dabei handelt es sich um einen Zusammenschluss aus dem rechten Teil der Fanzszene der Wiener Austria. Die Gruppe steht in Zusammenhang mit der Nazi-Terrororganisation „Blood and Honour“.

Unsterblich-Neonazis weichen in die Slowakei aus

Fotos zeigen K.-C. mit bekannten Personen aus dem Unsterblich-Milieu, etwa Mihaly „Salo“ K.  oder Alexander Christian. Christian hat die Austria auch bereits verklagt, weil er nicht mehr zu Spieln darf. Auf einem Bild im Kurier posiert Christian mit Kleidung mit der Aufschrift der Gruppe „Ballermann“. In diesem Zusammenschluss treffen sich rechte Milieus von Unsterblich und der violetten Ultra-Szene. In Fußballforen heißt es, auch K.-C. wäre bei Spielen der Austria gewesen. Verifizieren lässt sich das allerdings nicht.

Unsterblich-Aktivisten dürften ebenfalls im Netzwerk rund um die Küssel-Gruppe und ihr Sprachrohr „Unwiderstehlich“ aktiv sein. Allerdings wäre, was den Fußball betrifft, ein ausschließliche Focussierung auf Unsterblich falsch.

Austria würdigt Opfer des Holocaust

Die Szene ist fließend, es sind auch rechte Fans in diesem Netzwerk, die historisch nicht zur Unsterblich-Gruppe gehören sondern zu Ultra-Gruppen der Austria. Der reine Focus auf Unsterblich würde auch vermuten lassen, dass die Probleme im Stadion der Austria beendet wären. Denn diese Gruppe ist seit 2013 offiziell bei der Austria unerwünscht. Doch bis heute fallen vor allem die Ultra-Gruppen „Inferno“ und „Fanatics“ immer wieder auf.

Es gibt also längst neue und andere Zusammenhänge jenseits von Unsterblich, aus denen sich das Milieu speist. Beachtung verdient hier etwa der relativ neue Zusammenschluss „Tanzbrigade Wien“, wo sich einige der genannten Personen ebenfalls wiederfinden.

Quelle: Youtube

Tanzbrigade dürfte von rechten Austria-Kreisen gespeist werden, aber auch Sympathien unter rechten Rapid-Fans finden. Darauf deutet auch der Slogan „Eisern Wien“ in einem neuen Video der Gruppe hin. Dabei handelt es sich um den langjährigen Zusammenschluss rechter Fußball-Hooligans von Austria und Rapid. Sympathien für die Tanzbrigade gibt es auf Instagram auch von Markus Ripfl, Ex-Nachwuchshoffnung der FPÖ.

Der hatte schon als Jugendlicher mit neonazistischen Symbolen posiert und hat ebenfalls Kontakte zu rechten Austria-Milieus. Nach seinem Ausschluss aus der FPÖ ist Ripfl nun Initiator der Rechtaußen-Gruppe „Die Stimme“. In der Vergangenheit war Ripfl auch als Verteidiger von Unwiderstehlich aufgetreten, wie die Recherche Wien dokumentiert.

Das Nazi-Problem der Wiener Austria

Insgesamt handelt es sich bei Unsterblich, Unwiderstehlich und Tanzbrigade wohl um eine Melange mit fließenden Übergängen. Hier findet ihr einige meiner Artikel zu Fußball-Fanszenen und rechten Fans in Österreich, unter anderem aktuelle Berichte zu Unsterblich. Hier findet ihr eine ausführliche Analyse von mir zu Unsterblich und der Fanszene der Wiener Austria.

Polizeipräsident mit rechter Vergangenheit

Ein weiterer Ex-Aktivist der Schülerverbindung Franko-Cherusker ist Wiens Polizeipräsident Gerhard Pürstl. Pürstl gab noch 2014 zu, dass er weiter Kontakt zu „Freunden aus der Mittelschule und auch aus verschiedenen Verbindungen“ habe, kurz danach wurde das dann relativiert. Hier habe ich darüber für FM4 geschrieben.

Pürstl fiel zuletzt im Jänner 2018 auf, weil er linke Bedrohungsszenarien rund um den Akademikerball der Burschenschaften behauptete. Einen Beleg dafür blieb er allerdings schuldig. Hier habe ich das aufgeschrieben.

Das aktuelle Problem geht also weit über ein Sicherheitsleck im Parlament hinaus. Es ist vielmehr ein weiterer Beleg dafür, wie die Burschenschaften als Vernetzungsort zwischen NS-Szene, FPÖ und Staatsapparat fungieren.

 

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