Sichere Bahnen oder private Profite – es verträgt sich nicht

Bild: Karl Gruber / Wikimedia Commons / CC BY-SA 4.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/)

Private Bahnbetreiber oder gute Bahnen für alle? Es geht einfach nicht zusammen. Die aktuellen Vorwürfe gegen die Westbahn wegen Sicherheitsproblemen sind dafür das beste Beispiel.

Bei der privaten Westbahn soll es grobe Sicherheitsprobleme und gefälsche Zeugnisse für Lokführer gegeben haben. Bekannt wurde das nun durch Anzeigen von zwei Lokführern, wie der Kurier berichtet. Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft.

Die Zeugnisse von mindestens fünf Lokführern wurden von der Eisenbahnbehörde eingezogen – einer der Betroffenen wusste offenbar gar nichts davon, dass er die entsprechende Ausbildung gemacht haben soll. Dennoch war sie in seinem Personalakt eingetragen, so der Kurier.

Überlange Arbeitszeiten

Die Lokführer sollen auch viel länger gearbeitet haben, als erlaubt. Die Rede ist von bis zu 15,5 Stunden Dienstzeit. Dazu gibt es massive Sicherheitsvorwürfe. Sollten diese stimmen, könnte die Westbahn sogar ihre Sicherheitsbescheinigung verlieren – damit müsste der Betrieb eingestellt werden.

„Wir brauchen eine EU-weite Mindestmaut für LKW“

Die zwei Lokführer, die die Anzeige ausgelöst haben, wurden im Juli ohne Angabe von Gründen gekündigt – laut deren Aussage, weil sie zu sehr auf die Sicherheit bestanden hatten. Westbahn-Sprecherin Ines Volpert will sich dazu „prinzipiell nicht äußern“.

Probleme beim Brandschutz?

In der Anzeige wird auch ein möglicherweise sorgloser Umgang mit dem Brandschutz dokumentiert. Hier ist von „wiederholten Problemen mit gestörten Brandschutztüren auf verschiedensten Garnituren“ die Rede. Diese Türen würden nicht ordentlich schließen – sie sollen aber im Brandfall das Übergreifen des Feuers verhindern.

Drecksarbeit

Die private Westbahn gehört zu 49,9 Prozent dem Industriellen Hans Peter Haselsteiner, seit Jahren der zentrale Finanzgeber der neoliberalen Partei Neos. 32,7 Prozent gehören der Schweizer Augusta Holding, die restlichen 17,4 Prozent der französischen Bahn SNCF.

Wie private Bahnen mit Streckenführungen umgehen, zeigte sich zuletzt im Juli: Da verkaufte die Westbahn alle ihre 17 Züge an die Deutsche Bahn.

Westbahn blockiert die Wiener Stammstrecke

Als Konsequenz werden ab Dezember 2019 die Haltestellen ab Wien-Praterstern (mit Hauptbahnhof und Meidling) nicht mehr angefahren, die Züge fahren nur mehr ab Wien-Westbahnhof. Der Grund sind mangelnde Profite. Für viele WienerInnen könnte dies allerdings ohnehin eine Erleichterung und Verbesserung bedeuten.

Es gibt Alternativen zum Auto-Pendeln nach Wien

Denn die Abfahrt der Westbahn am Praterstern hatte bisher zur Folge, dass die überregionalen Züge des privaten Bahnunternehmens direkt über die „Stammstrecke“ der Wiener Schnellbahn geführt wurden. Die Stammstrecke ist die am stärksten befahrene Bahnstrecke in ganz Österreich und eine der wichtigsten öffentlichen Verkehrsverbindungen der Hauptstadt.

Die privaten Fernzüge brauchen Zeit auf den Gleisen und haben damit kürzere Intervalle auf der Schnellbahn behindert. Wenn es Verspätungen der Westbahn gab, hatte das direkte Auswirkungen auf den S-Bahn Betrieb in Wien.

Bezeichnend aber auch Haselsteiners Argument, warum die Abfahrt ab Praterstern eingestellt würde. Nicht etwa, damit es bessere innerstädtische Verbindungen in Wien gibt. Sein Argument: Er hätte „keinen Goldscheißer im Keller, keinen Esel streck dich“. Die Westbahn hätte bisher rund 100 Millionen Euro Verluste gemacht, da könne er „nimmer zuschauen“.

Gefahr Bahnprivatisierung

Auch die aktuellen Sicherheitsbedenken – es gilt die Unschuldsvermutung – sollten nicht überraschen. In vielen Ländern, allen voran in Großbritannien, gibt es seit vielen Jahren massive Sicherheitsprobleme bei privaten Bahnbetreibern.

Fette Katzen

Immer wieder muss der Staat sogar Konzessionen entziehen.  Es kann daher nicht verwundern, dass laut einer Yougov-Umfrage von Mai 2017 rund 60 Prozent der britischen Bevölkerung wollen, dass die Bahn wieder durch den Staat betrieben wird.

Es sollte auch für Österreich eine Lehre sein: Private wollen Profite, sie wollen Geld verdienen. Die Bevölkerung hingegen möchte sichere, saubere und pünktliche Bahnen mit guten Bedindungen für die Beschäftigten. Beides gemeinsam geht nicht. Und deshalb haben private Firmen im Bahnverkehr nichts verloren.

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