Auf die Austria könnten gefährliche Hochrisiko-Spiele zukommen

Aufkleber von antifaschistischen Fans der Wiener Austria. Bild: Michael Bonvalot

Neonazi-Connections mancher Austria-Fanclubs nehmen erneut alle „Veilchen“ in Geiselhaft. Dazu sind unter den möglichen Austria-Gegnern in der Conference League auch Klubs, deren Fans mit Erzrivalen Rapid befreundet sind – ebenfalls teils mit rechtem Stallgeruch.

Ein kollektives Aufatmen in Violett folgte der erfolgreichen Qualifikation für die Conference League durch die Wiener Austria. Nach einer verkorksten Saison inklusive des Abgangs des beliebten Trainers Peter Stöger wird der Verein nun noch doch international spielen. Doch in der Qualifikation warten nun einige mehr als unangenehme Gegner.

Einerseits sportlich – wobei hier manche Gegner vor allem im Play-Off auch äußerst attraktiv sind: So könnte die Austria in der letzten Qualifikationsrunde – falls sie soweit kommt – etwa auf AS Roma, die Tottenham Hotspurs aus London oder AEK Athen treffen. (Alle möglichen Gegner der Austria sowie des LASK findet ihr hier.) Doch parallel dazu drohen auch zahlreiche Spiele, die fantechnisch enorm brisant sind. Das sind die potentiellen Hochrisikobegegnungen.

Die Austria steigt in der zweiten Qualifikationsrunde ein. Bereits dort warten mindestens zwei sehr problematische Gegner:

DAC Dunajska Streda / Slowakei

Das slowakische Team DAC Dunajska Streda ist ein Club der ungarischen Minderheit, die gleichnamige Stadt ist nur rund 130 Kilometer von Wien entfernt. Regelmäßig kommt es bei Spielen von DAC zu Problemen mit slowakischen nationalistischen Fangruppen. Besonders problematisch sind dabei Spiele gegen Slovan Bratislava, wo es immer wieder zu schweren Konflikten kommt.

Die Fankurve von Slovan aus der slowakischen Hauptstadt ist dominiert von einschlägig bekannten und neonazistischen Fans, im Oktober 2015 wurde sogar ein Banner gehisst, dass die Deportation geflüchteter Menschen ins ehemalige Konzentrationslager Auschwitz forderte.

Die wichtigste Fangruppe von Slovan nennt sich „Ultras Slovan Pressburg“ – nicht zufällig führen sie den deutschen Namen von Bratislava im Namen. Und diese Gruppe ist wiederum eng befreundet mit extremen Rechten und Neonazis aus dem rechten Flügel des Anhangs der Wiener Austria. Die führende Austria-Fangruppe Fanatics nennt Slovan ihre „Brüder“.

Mitglieder von Fanatics sowie der Neonazi-Truppe Unsterblich sind samt Reichskriegsfahne auch immer wieder in der Slowakei zu Gast. Bei Auswärtsspielen von Slovan bei Dunajska Streda gab es dabei auch schon Ausschreitungen mit Beteiligung von Rechtsextremen aus dem Austria-Anhang. In der Slovan-Kurve zeigen Neonazis aus dem Austria-Anhang immer wieder ihre Reichskriegsfahne.

Unsterblich-Neonazis weichen in die Slowakei aus

Doch auch die Fans von Dunajska Streda sind nationalistisch und rechtsdominiert, diesmal allerdings ungarisch-nationalistisch. Sie sind unter anderem verbündet mit den oft einschlägig neonazistischen Fans von Ferencváros Budapest. Und die wiederum haben eine jahrelange enge Freundschaft mit Rapid Wien.

Fans von „Fradi“, wie der ungarische Hauptstadt-Club zumeist genannt wird, waren in der Vergangenheit mutmaßlich auch verantwortlich für eine Südstaaten-Fahne bei einem Heimspiel von Rapid im Ernst-Happel-Stadion. Auf der Fahne jedenfalls prangte das Wappen von Fradi.

Südstaaten-Fahne im Rapid-Stadion am 15.10.2015 beim Derby gegen die Austria. Screenshot: Ostkurve statt Ustkurve

Hammarby IF / Schweden

Ebenfalls bereits in der ersten Qualifikationsrunde könnte die Austria auf Hammarby aus der schwedischen Hauptstadt Stockholm treffen. Zwischen den Hammarby Ultras und dem Fanclub Alte Garde (AG) von Rapid Wien gibt es eine langjährige Fanfreundschaft. Mitglieder der AG haben sich in der Vergangenheit immer wieder eindeutig weit rechts positioniert. Zuletzt mobilisierte die AG im Frühjahr auch zu rechts dominierten Corona-Aufmärschen, wo Mitglieder der Gruppe teils in Fanwäsche auftraten.

Auch andere mögliche Konfrontationen in Runde Eins

Diese beiden Duelle hätten wohl das meiste Konfrontationspotenzial. Doch daneben gibt es auch andere potentiell problematische Zusammentreffen. Beispielsweise ein Duell mit dem Budapester Club Újpest. Zwischen den Budapester Violetten von Újpest und den Wiener Veilchen gab es in der Vergangenheit freundschaftliche Kontakte, die allerdings in den letzten Jahren real eingeschlafen ist. Wenn es allerdings nun zum Duell kommt, könnte die alte Freundschaft aufleben – nicht zuletzt in der Auseinandersetzung mit den jeweiligen grünen Lokalrivalen Ferencváros  und Rapid.

Rapid-Fans beschimpfen Austria-Spieler als „Judenschweine“

Potentiell problematisch könnten auch Begegnungen gegen andere mögliche Gegner in dieser Runde werden. Darunter etwa der slowakische Klub MŠK Žilina (ebenfalls wegen der Slovan-Connection) oder auch verschiedene Klubs aus Ungarn oder Polen.

Der Neonazi-Flügel der Austria unterhält neben Slovan auch beste Kontakte zum eindeutig neonazistischen Fan-Anhang des tschechischen Erstliga-Vereins FC Zbrojovka Brno. Dessen Fans präsentierten im Austria-Stadion sogar bereits einen SS-Totenkopf. Und über die Brno-Verbindungen gibt es wiederum zahlreiche weitere Freundschaften und Feindschaften, die sich anschließen und im Fall von Begegnungen relevant werden.

Positiv interessant in der ersten Qualifikationsrunde wäre fantechnisch wohl vor allem ein Duell gegen Aris Thessaloniki. Die Aris-Fans sind bekannt dafür, richtig laut Stimmung zu machen, wie ich selbst bereits einmal in Thessaloniki erleben durfte, wo ich bei einem Heimspiel von Aris war.

Für die Austria wäre es allerdings nominell nach Servette Genf der zweitstärktste mögliche Gegner in dieser Runde. Und die oft linken Fans von Aris würden Provokationen aus dem rechten Flügel der Austria-Fans (zurecht) wohl kaum unbeantwortet lassen.

Die Austria muss ihr Nazi-Problem lösen

In der zweiten Qualifikationsrunde der Austria (also der insgesamt dritten) zeigen sich dann auf den ersten Blick keine besonders problematischen Gegner. Falls die Austria beide Runden übersteht, könnte es dann aber im Play-Off, also der letzten Qualifikationsrunde, nochmals brenzlig werden.

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Die linken Fans von AEK Athen

Neben den bereits erwähnten sportlich sehr attraktiven Gegnern AS Roma oder Tottenham Hotspur wartet dort auch Viktoria Plzen aus Tschechien. Und hier könnte es wiederum aufgrund der Fanfreundschaften des rechten Flügels der Wiener Austria zu Problemen kommen. Denn zwischen Viktoria Plzen und dem FC Brno gibt es traditionelle Rivalitäten.

Ebenfalls im Play-Off würde AEK Athen warten. Und die Kurve von AEK gehört europaweit zu jenen, die am eindeutigsten links und antifaschistisch dominiert sind. Sollte es hier also rechte Provokationen geben, wird die Antwort wohl eindeutig und spürbar sein.

Was bedeutet das für antifaschistische Austria-Fans?

Für antifaschistische und linke Fans der Wiener Austria bedeuten all diese Begegnungen mehrfache Probleme. Denn gegnerische Fans unterscheiden naturgemäß zumeist nicht zwischen den Rechtsextremen mit Reichskriegsfahnen und linken Fans, die aufgrund der aktuellen Kräfteverhältnisse im Stadion (noch) keine eigenen Banner zeigen. Das kann dazu führen, dass der gesamte Auswärtsblock angegriffen wird, wie es etwa 2009 bei den Spielen der Austria gegen den baskischen Verein Bilbao der Fall war.

Die Austria unterm Hakenkreuz: Opfer, Täter und Mitläufer

Und bei manchen Fans führt das dann auch zu Solidarisierungseffekten. „Wir“ werden angegriffen, heißt es dann. Doch letztlich verantwortlich sind dann naturgemäß weniger gegnerische Fans, sondern vor allem die Provokationen der Nazis im Block.

Doch gleichzeitig können Spiele gegen Klubs mit starken und dezidiert linken und antifaschistischen Fangruppen für fortschrittliche Fans der Austria auch eine gute Nachricht sein: Denn es ist gut möglich, dass die Nazis in der Fanszene dann auch entsprechende Antworten auf ihre Provokation erhalten. Und das kann wiederum die antifaschistischen Kräfte im Anhang der Violetten deutlich unterstützen und stärken.

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