Neonazis drohen in Wien mit Mord an Flüchtlingen

Ein internationales Neonazi-Netzwerk namens „Feuerkrieg“ ist offenbar in Wien aktiv geworden. Auf Plakaten werden Morde an Geflüchteten und schwarzen Menschen angedroht.

Mehrere Bilder mit Neonazi-Propaganda, die offensichtlich von einer Klebe-Aktion in Wien stammen, wurden jüngst auf einem Kanal des Neonazi-Netzwerks „Feuerkrieg“ veröffentlicht. Entdeckt wurden zwei Bilder aus Österreich vom Recherche-Kollektiv „Element Investigate“, das mich auf diese Bilder aufmerksam gemacht hat.

Auf einem der Bilder ist ein Hakenkreuz zu sehen, daneben die Aufschrift „Raus mit den Flüchtlingen – Haltet euer Blut rein – Begeht keine Rassenschande – Ermordet den nächsten Flüchtling“. Auf einem weiteren Plakat ist ein Mann mit Totenkopf zu sehen, der einen schwarzen Mann mit einem Gewehr bedroht. Dazu die Aufschrift „Black Lives Don´t Matter“ sowie ein SS-Totenkopf.

Beide Bilder stammen mutmaßlich aus Wien. Bei einem Bild ist ein Mistkübel der Wiener Magistratsabteilung 48 zu sehen, beim anderen ist im Hintergrund ein Auto mit Wiener Kennzeichen zu erkennen. Diese – und alle weiteren genannten – Bilder wurden dann von mir bei einer Recherche auf der Plattform des Netzwerks gefunden und sind natürlich gesichert.

Auf der Plattform wurden noch andere Bilder veröffentlicht, die aus Österreich stammen sollen. Weitere Bilder, die Propaganda-Aktionen zeigen, sollen aus den USA, Kroatien, den Niederlanden und Bulgarien stammen.

Die AktivistInnen von „Element Investigate“ nennen auch Großbritannien, die Slowakei sowie die Ukraine. Sie erklären: „In den letzten Monaten hat die Feuerkrieg-Division via Internet etliche Rechtsextremisten in verschiedenen europäischen Staaten mobilisiert um Propagandaflyer in der Öffentlichkeit zu verbreiten.“

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Recherche-Zusammenhänge in den USA würden davon ausgehen, dass es Schwerpunkte des Netzwerks in Washington, Florida, New York, Illinois, Texas, Kalifornien und New Hampshire gäbe. Die meisten Mitglieder seien in Großbritannien, Kanada und Deutschland. Wer und wieviele Personen in Österreich beteiligt sind, ist derzeit noch nicht bekannt.

Nach Einschätzung der Recherche-Gruppe gäbe es in den meisten dieser Länder „noch keine gefestigten Strukturen der Feuerkrieg-Division“. Es sei davon auszugehen, dass es sich aktuell „um Protagonisten aus anderen rechtsradikalen Gruppierungen“ handelt, die es reizen würde, „eine neue extrem rechte Subkultur zu etablieren.“

Gewaltbereite Neonazis

Auffallend an den Postings der Truppe ist die besonders hohe Militanz-Bereitschaft. So werden angebliche Namen und Adressen von FBI-MitarbeiterInnen ebenso veröffentlicht wie eine mutmaßliche regelmäßige Fahrtstrecke eines Politikers im niederländischen Den Haag.

Auch eine Gefängnis-Kontaktadresse des Neonazi-Massenmörders Branton T., der im März 2019 im neuseeländischen Christchurch 51 Menschen ermordet hat, wird veröffentlicht. T. wird in einem Eintrag als „Heiliger T.“ bezeichnet.

Bilder von Hakenkreuzen, von Adolf Hitler oder verschiedenste antisemitische Motive durchziehen den gesamten Kanal. Auch Losungen wie „Kill Jews“ mit entsprechenden Bildern werden veröffentlicht. Eine starke Inspiration sind offenbar die „Turner Diaries“, die Turner-Tagebücher.

Dieser Roman aus den USA mit seiner Beschreibung eines „Rassenkriegs“ gilt als Bibel und Vorbild für faschistische Terror-Gruppen auf dem gesamten Erdball. Der Text fand sich auch auf den Computern mehrerer Angeklagter im Prozess gegen die Neonazi-Terroristen des NSU.

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Durch Wahlen zu gewinnen, hätte „seit 50 Jahren nicht geklappt“, heißt es im „Feuerkrieg“-Kanal. Statt dessen sollten die Tagebücher gelesen werden. Schließlich findet sich auch das Motiv von Pepe, dem Frosch. Ein beliebtes Meme aus der internationalen faschistischen Rechten. Ein Bild zeigt Pepe in militärischer Kleidung mit einer Maschinenpistole.

Drohung mit Vergewaltigung

Auch der typische Frauenhass der extremen Rechten findet sich wieder. Ein Motiv zeigt etwa einen Mann, der einen Hitler-Gruß zeigt. Auf seinem T-Shirt steht das Wort „Rape“, also Vergewaltigung. Verschiedene Vergewaltigungsfantasien und Vergewaltigungsdrohungen ziehen sich durch den gesamten Kanal.

Einmal heißt es etwa: „Hail Rape“ – Heil der Vergewaltigung. Auch schwulenfeindliche Beschimpfungen finden sich, etwa „Fucking Queer“ oder „Faggot“.

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Die faschistische Gruppe beobachtet offenbar auch ihre Gegner. Auf meinen Artikel etwa wurde bereits wenige Stunden nach seinem Erscheinen auf dem „Feuerkrieg“-Kanal hingewiesen.

Eine tatsächliche Gefährdungseinschätzung ist aktuell schwierig abzugeben. Doch es sollte uns zutiefst beunruhigen, wenn mitten in Wien Neonazis Hakenkreuze kleben und zur Ermordung anderer Menschen aufrufen.

(Update 05.12.2019: Ergänzt um Informationen über das Netzwerk in den USA, die Turner-Tagebücher, Pepe sowie zusätzlich Informationen über die Vergewaltigungswünsche auf dem Kanal)

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