Das blaue Netzwerk: Straches Erben

Bild: Multimedia-Blog Brundespraesident.in, https://www.flickr.com/photos/bundespraesident-in/4457388646, Lizenz: https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/, Layout: Michael Bonvalot

Nationalbank, ÖBB und ORF: Blaue Parteigünstlinge sitzen weiter an den Schalthebeln der Republik.

“Marillen-Likör mit Prosecco gemischt”, hätte es bei ihrer Hochzeit gegeben. So diktierte es die frischgebackene Frau Strache dem Boulevardblatt Österreich im Oktober 2016 ins Telefon.

Der Nachrichtenwert der Information ist eher überschaubar, dennoch findet die Getränkewahl von Philippa Strache ihren Weg auf oe24. Zwei Tage zuvor hatten sie und der damalige FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache unter Ausschluss der Öffentlichkeit geheiratet.

Wer ist der Trauzeuge?

Nun giert vor allem der Boulevard nach Schlagzeilen. Am Rande wird dabei in einigen Artikeln auch der Trauzeuge des Paares erwähnt, der oberösterreichische Unternehmer Karl Ochsner.

Öffentlich ist über den Nachwuchschef der Ochsner Wärmepumpen GmbH nur wenig bekannt – Das Interesse legt sich schnell. Es wird sich schlagartig ändern, als im Dezember 2017 eine Koalition zwischen ÖVP und FPÖ praktiziert wird. Denn auch Trauzeuge Ochsner wird nun kometenhaft aufsteigen.

Das blaue Postenkarussell dreht sich

Es ist nicht nur der Wiener FPÖ-Bezirksrat Peter Sidlo, der bei den Casinos Austria bis Anfang Dezember 2019 einen höchst bezahlten Vorstandsjob ergattert hatte (für den er laut Gutachten schlichtweg unqualifiziert war). Unter Schwarz-Blau steigen zahlreiche Blaue an die zentralen Schaltstellen der Republik auf.

Tipp: Eine Gesamtübersicht mit allen Betrieben und Funktionen findet sich am Ende dieses Artikels.

Das steht im FPÖ-„Historikerbericht“

 

Es sind zumeist aktive oder ehemalige FPÖ-FunktionärInnen, Burschenschafter sowie Familienangehörige oder FreundInnen von FPÖ-Kadern. Und obwohl die schwarz-blaue Koalition im Frühjahr 2019 vorest scheitert, sitzen die meisten weiter auf ihren – zumeist äußerst gut bezahlten – Posten.

Ministerkabinette als Übergang

Als die FPÖ im Dezember 2017 mehrere Ministerien übernimmt, müssen nicht zuletzt die Kabinette der jeweiligen MinisterInnen besetzt werden. Zum Zug kommen dabei in vielen Fällen bewährte Kameraden, oft mit burschenschaftlichem Hintergrund. Besonders deutlich wird das im Infrastrukturministerium unter dem jetzigen FPÖ-Chef Norbert Hofer.

So verkehrte etwa Hofers Kabinettschef René Schimanek einst im Dunstkreis der “Volkstreuen außerparlamentarischen Opposition” (VAPO) von Neonaziführer Gottfried Küssel. Auf mindestens einem Wehrsportlager der VAPO war auch Heinz-Christian Strache.

Kurze Burschenschafter-Wege vom Neonazi-Security zur FPÖ-Spitze 

Hofers Pressemann Herwig Götschober stand gleich zwei Burschenschaften vor, der akademischen Burschenschaft Bruna Sudetia und der Mittelschüler-Verbindung Franko-Cherusker – beide Verbindungen sind als äußerst einschlägig bekannt. Mitglied der Franko-Cherusker war etwa auch jener Security im Parlament, der es wegen seiner Rechtsaußen-Gesinnung zu medialer Bekanntheit brachte.

Ein Wehrsportler wird Minister

Gar zum Generalsekretär im Infrastrukturministerium brachte es Andreas Reichhardt. Der “Alte Herr” der einschlägig bekannten Wiener Studentenverbindung “Grenzlandschaftsmannschaft Cimbria” ist gleichzeitig ein ehemaliger Wehrsport-Kamerad von Strache.

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Die blauen Kabinette wurden nach dem Ende von Schwarz-Blau zwar aufgelöst. Doch für manche Kameraden fanden sich danach andere Positionen. Ex-Wehrsportler Reichhardt brachte es in der Übergangsregierung von Kanzlerin Brigitte Bierlein sogar zum neuen Infrastrukturminister. Update: Nach der Angelobung von Türkis-Grün im Jänner 2020 kehrte er auf seinen alten Job als Leiter der Sektion für Innovation und Telekommunikation im Ministerium zurück. Diesen Job bekam er bereits im Jahr 2005, also unter Schwarz-Blau/Orange I.

Rechte Cops, rechte Richter

Auch im Innenministerium könnte die FPÖ langfristig und nachhaltig Spuren hinterlassen. Denn mit Helgar Thomic-Sutterlüti, einst immerhin Straches Kabinettschef, besetzen die Blauen bis heute einen der wichtigsten Jobs im Innenministerium: Als Leiter der Gruppe I/A ist er verantwortlich für Personal, Organisation, Budget und Ausbildung.

Neben ihm haben es zahlreiche weitere blaue Parteigänger in die Ministerialbürokratie geschafft. So wird etwa das “Bundesamt für Fremdenwesen und Asyl”, eine besonders sensible Einrichtung, vom Ex-FPÖ-Gemeinderat und blauen Polizeigewerkschafter Wolfgang Reischer geleitet.

Der Verwaltungsrichter und seine rechten Kontakte

Und schließlich sind da noch die Höchstgerichte, wo eine ganze Reihe von Personen auf ÖVP- und FPÖ-Tickets eingezogen sind. Im Verfassungsgerichtshof etwa können inzwischen sechs RichterInnen der ÖVP zugerechnet werden, zwei der FPÖ. Schwarz-Blau hat damit eine solide Mehrheit von neun der 14 RichterInnen.

Beachtenswert ist dabei nicht zuletzt Brigitte Bierlein, die aktuelle Übergangs-Kanzlerin. Sie war 2003 von der ersten ÖVP-FPÖ-Regierung in den Verfassungsgerichtshof (VfGH) nominiert worden und wurde sofort zur Vizepräsidentin bestellt. Sie galt bereits damals als äußerst FPÖ-kompatibel. Der nächste Karrieresprung für Bierlein erfolgte im Februar 2018 unter Schwarz-Blau II, als sie zur Präsidentin des VfGH bestellt wurde. Ihre Beförderung sei laut Kurier auf dringenden Wunsch der FPÖ erfolgt.

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Für blauen Stallgeruch sorgt auch Bierleins Lebensgefährte, der Richter Ernest Maurer. Er wurde im Jahr 2000 auf einem FPÖ-Ticket in den Aufsichtsrat des ORF berufen und gilt als stramm rechts.  Den „Richter der Rechten“ nannte ihn der Standard 2006 in einem Porträt, nachdem Maurer den Holocaust-Leugner David Irving auf freien Fuß gesetzt hatte. Hier findet ihr meine ausführliche Recherche über Brigitte Bierlein.

Rein in die Staatsbetriebe

Gleichzeitig hat die FPÖ ihre Parteigänger auch in vielen wichtigen Unternehmen untergebracht, die im Einflussbereich der Republik stehen. Dabei geht es etwa um den ORF, um die Österreichische Nationalbank, um die ÖBB, um die Autobahngesellschaft ASFINAG, um die Flugsicherung Austrocontrol, um den Energiebetreiber Verbund oder um den Ölkonzern OMV.

Doch wo überall in den staatsnahen Unternehmen sitzen nun weiter Vertraute der FPÖ? Und wer sind diese Personen? Das ist die Geschichte von Straches Erben.

Der Trauzeuge steigt auf

Der Wärmepumpen-Unternehmer Karl Ochsner muss ein sehr guter Freund der Straches sein, möglicherweise der beste. Zumindest wäre es das übliche Kriterium für einen Trauzeugen. Nach der Strache-Hochzeit wird Ochsner zwar für ein weiteres Jahr aus der breiteren Öffentlichkeit verschwinden. Doch nach der Nationalratswahl im Oktober 2017 ändert sich das schlagartig.

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Nachdem ÖVP und FPÖ sich auf eine schwarz-blaue Koalition einigen, wird fieberhaft Personal gesucht. Auch Karl Ochsner steht bereit, um als Vertrauter des damaligen FPÖ-Parteichefs Strache lukrative Posten im öffentlichen Dienst zu übernehmen.

Freundschaft macht sich bezahlt 

Der Oberösterreicher wird Aufsichtsrat der ÖBB Holding. Es ist eine zentrale Position in einem der größten Unternehmen des Landes. Darüber hinaus wird Ochsner Mitglied des Immobilien Boards der ÖBB.

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Anfang 2019 folgt dann eine weitere Aufwertung: Ochsner wird nun sogar stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender der neu gegründeten Österreichischen Beteiligungs AG (ÖBAG). Es ist eine enorm einflussreiche Position.

Denn in dieser neuen AG sind zentrale Beteiligungen der Republik an börsennotierten Unternehmen zusammengefasst. Das betrifft etwa die Beteiligungen an der OMV, der Post, der Telekom Austria, den Casinos Austria und der Bundesimmobiliengesellschaft.

Im Zentrum möglicher Privatisierungen

ÖVP und FPÖ haben diese ÖBAG neu aufgestellt, Hintergrund könnten Privatisierungs-Überlegungen sein. In einer Aussendung hält der damalige Finanzminister Hartwig Löger von der ÖVP im Oktober 2018 zwar fest, dass “die Privatisierung von Anteilen aktuell nicht angestrebt” werde.

Der Konzern-Kanzler

Die Einschränkung “aktuell” ist dabei allerdings durchaus bedeutsam. Denn in der gleichen Aussendung heißt es, dass die “Veräußerung von Beteiligungen” eine der Aufgaben der neuen ÖBAG sein könne.

Auf vielen Hochzeiten

Trauzeuge Ochsner sitzt nun also mitten im Zentrum der Republik. Der Hauptgesellschafter eines mittelständischen Wärmepumpen-Betriebs kontrolliert als stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender die Beteiligungen der Republik an Milliarden-Unternehmen. Bei möglichen Privatisierungen könnte ihm als Aufsichtsrat eine wichtige Rolle zukommen.

Zusätzlich ist Ochsner weiter einer von acht Kapitalvertretern im Aufsichtsrat der ÖBB Holding. Also in einem der größten Unternehmen der Republik mit mehr als 40.000 Beschäftigten.

Die FPÖ – Partei der Reichen

Ochsner ist dabei eine interessante Erscheinung. Während die meisten, die nun aufsteigend, eindeutig der FPÖ zuzuordnen sind, gibt sich Ochsner in der Öffentlichkeit unabhängig. Das führt teilweise zu seltsamen Verrenkungen.

Klima? Krise!

So ist Ochsner einerseits eines von acht Mitgliedern der “Climate Group”, einem Unternehmensnetzwerk der Umweltschutzorganisation WWF. Andererseits übernimmt er Posten auf Tickets der FPÖ – deren führende ExponentInnen immer wieder mit dubiosen Positionen zum Klimawandel aufhorchen lassen.

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Schließlich dürfte Ochsner – insbesondere in Oberösterreich – auch ein Verbinder zwischen Strache und der Wirtschaft sein. Es könnte bedeutsam werden, wenn Strache tatsächlich ein eigenes politisches Projekt startet.

Blau auf Schiene

Eine zentrale Rolle im Postenkarussell der FPÖ spielt ab dem blauen Regierungseintritt das Infrastrukturministerium unter dem damaligen Minister und jetzigen FPÖ-Chef Norbert Hofer. In zahlreiche Betriebe im Einflussbereich des Ministeriums ziehen blaue Günstlinge ein. Das betrifft etwa die ASFINAG, die Austrocontrol und vor allem die ÖBB.

Sichere Bahnen oder private Profite – es verträgt sich nicht

Bereits unter Schwarz-Blau/Orange I in den Jahren 2000-2006 hat sich die FPÖ sehr für Einfluss bei der Bundesbahn interessiert. Nun wird der Einfluss weiter ausgebaut.

Dieses strategische Interesse dürfte mehrere Gründe haben. Als Großunternehmen sind in der ÖBB zahlreiche Posten zu vergeben. Die EisenbahnerInnen und ihre Familien sind ein wichtiges WählerInnen-Segment. Und schließlich werden über die Eisenbahn zahlreiche Zuliefereraufträge in verschiedensten Branchen und in der gesamten Republik vergeben.

Alte Bekannte und blaue Familienbande

Neben Trauzeugen Ochsner tummeln sich nun zahlreiche FPÖ-Kader in der ÖBB. So zieht etwa Monika Forstinger, Ministerin für die FPÖ in den Jahren 2000 bis 2002, in den Aufsichtsrat der ÖBB Holding sein. Zum Vorsitzenden dieses Aufsichtsrats wird mit Gilbert Trattner ein ehemaliger Bundesgeschäftsführer der FPÖ bestellt.

Die Liebe zu Aufsichtsräten dürfte dabei in der Familie liegen: Tochter Cathrine Trattner wird unter Schwarz-Blau in den Aufsichtsrat der OMV berufen. Auch weitere Familienbande finden sich: So zieht Ilse Groiß in den Aufsichtsrat der ÖBB-Personenverkehr AG ein.

Sie ist laut “Trend” die Gattin von René Schimanek, zu diesem Zeitpunkt Kabinettchef im zuständigen Infrastrukturministerium. Update 04.03.2020: : Für den Bereich Personal in der Personenverkehrs AG ist seit Juni 2019 Patricia Voglmair verantwortlich, die Halbschwester Arnold Schiefers. Schiefer ist der tiefblaue Vorstand der ÖBB Holding.

Neoliberale Ideologin in der Nationalbank

Auch die einstige Innsbrucker FPÖ-Gemeinderätin Barbara Kolm findet sich auf der Liste der ÖBB-AufsichtsrätInnen. Für sie vermutlich aber eher eine lukrative Nebenbeschäftigung.

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Denn Kolm wird auf einem FPÖ-Ticket sogar Vizepräsidentin des Generalrats der Österreichischen Nationalbank. Dieser Generalrat überwacht einen Teil der Geschäfte der Nationalbank und berät das Direktorium etwa in währungspolitischen Fragen.

In der breiteren Öffentlichkeit ist Kolm weniger bekannt. Doch innerhalb der FPÖ spielt die neoliberale Ideologin seit Jahren eine zentrale Rolle. 2016 nominierte die FPÖ sie als Kandidatin für das Amt der Rechnungshofpräsidentin, sie soll auch als Ministerin im Gespräch gewesen sein.

Neoliberaler Hang zum Faschismus

Kolm ist gleichzeitig die Leiterin des neoliberalen Vereins “Hayek-Institut”. Die Namensgebung erzählt dabei bereits einiges über die politischen Vorlieben der Vizepräsidentin der Nationalbank.

Der Namensgeber des Vereins, Friedrich August von Hayek, gilt als eine der wichtigsten Wirtschaftsliberalen des Zwanzigsten Jahrhunderts. Gleichzeitig war Hayek ein ausgewiesener Sympathisant der faschistischen Diktatur in Chile.

Bei der Österreichischen Nationalbank trifft Kolm übrigens unter anderem auf Ex-Casinos-Vorstand Peter Sidlo. Denn der wurde zusätzlich zu seinem Glücksspiel-Job auch noch in den Generalrat der ÖNB berufen. Die Casinos haben ihn inzwischen zwar berufen, doch in der Nationalbank sitzt Sidlo weiterhin auf seinem Posten.

Korporationen als Job-Rutsche

Den Top-Job als einer der beiden Vorstände der ÖBB Holding hat mit Arnold Schiefer ein regelrechtes Urgestein der FPÖ ergattert. Auch nach dem Ende der ÖVP-FPÖ-Koalition bleibt der Burschenschafter einer der beiden Leiter des Unternehmens.

Schiefer ist gleichzeitig auch ein stolzer Teutone, er ist Mitglied der Wiener Burschenschaft Teutonia. Und die gilt sogar innerhalb der extrem rechten Burschenschafter-Netzwerke als besonders berüchtigt.

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Burschenschafter Schiefer soll bereits seit Jahren die Personalpolitik der FPÖ koordinieren. So sei Schiefer laut “ZackZack” etwa in einer Chat-Gruppe mit Strache, Hofer und Ex-Innenminister Herbert Kickl gewesen, wo über die geplante Bestellung des Casino-Vorstands diskutiert worden sei.

Der Schmiss trägt Früchte

Auch unter diesem Aspekt sollte es nicht überraschen, dass unter Schwarz-Blau zahlreiche Kameraden aus einschlägigen Studentenverbindungen wichtige Jobs im staatsnahen Bereich ergattert haben. Das aber hat natürlich weniger mit Schiefer als Person zu tun.

Die deutschnationalen Studentenverbindungen – also etwa Burschenschaften, Landsmannschaften, Sängerschaften, Turnvereine oder Corps –, bilden bereits seit Jahrzehnten die Nachwuchsreserve und den ideologischen Kaderkern der FPÖ. Zunehmend bedeutsam werden auch die Mädelschaften als Frauenverbindungen.

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Was das bedeutet, zeigt dann die Personalpolitik des blau geführten Infrastrukturministeriums. So wird etwa Alexander Schierhuber, ehemals Obmann des Rings freiheitlicher Studenten (RFS), zum Geschäftsführer der Breitspur Planungsgesellschaft bestellt. Korporiert ist er beim Corps Saxonia Wien.

Geschäftsführer der ÖBB Produktions-GmbH ist seit Oktober 2018 Mark Perz, ebenfalls ehemaliger RFS-Aktivist, laut “Profil” ebenfalls in einer Studentenverbindung. Als die FPÖ bereits unter Schwarz-Blau I die Kontrolle über das Forschungszentrum Seibersdorf übernahm, wurde Perz dort stellvertretender Personalchef. “Profil” berichtete damals, dass er unter anderem Angestellte als “Sozialschmarotzer” beschimpft haben soll.

Autobahn und Nationalbank

Aufsichtsratsvorsitzender der Autobahn-Gesellschaft ASFINAG wird etwa Peter Franzmayr, ehemals Magistratsdirektor im FPÖ-regierten Wels und Mitglied der Burschenschaft Oberösterreicher Germanen in Wien. Im Aufsichtsrat der ASFINAG Maut Service GmbH sitzt mit Reinhard Teufel ein weiterer Korporierter, er ist Alter Herr der Burschenschaft Brixia Innsbruck. Die Brixen waren bekannt für ihre tiefe Verstrickung in den Südtirol-Bombenterror der 1960er Jahre.

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Auch ins Vierer-Direktorium der Österreichischen Nationalbank (ÖNB) steigen zwei blaue Burschenschafter auf. Gouverneur der ÖNB ist nun Robert Holzmann. In der Öffentlichkeit bekannt wurde er unter anderem damit, dass er sofort nach seiner Bestellung begonnen hat, offenbar missliebige Angestellte zu feuern. Weniger bekannt ist, dass Holzmann auch Alter Herr der deutschnationalen Sängerschaft Gothia zu Graz und ehemaliger Aktivist des “Atterseekreises” der FPÖ ist.

Der andere Neue in der ÖNB ist Eduard Schock, Stadtrat und Ex-Klubobmann der FPÖ im Wiener Rathaus und nun Direktor der Nationalbank. Auch er ist als Mitglied der Wiener Aldania ein deutschnationaler Burschenschafter. Die Aldanen sind in der Wiener FPÖ so einflussreich, dass sie im Gemeinderat der Bundeshauptstadt alleine Fraktionsstärke hätten. Auch Wiens FPÖ-Chef Dominik Nepp ist übrigens Aldane.

Blau im ORF

Im ORF hat die FPÖ ebenfalls ihre Spuren hinterlassen.  Vorsitzender des Stiftungsrates war bis Mai 2019 Norbert Steger, Ex-Obmann der FPÖ und zumindest ehemaliges Mitglied der Sängerschaft Barden zu Wien. Diese Verbindung konnte in den vergangenen Jahren als Vorfeldorganisation der neofaschistischen Gruppe “Identitäre Bewegung” gelten.

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Neben zahlreichen weiteren Personen auf einem blauen Ticket kann im ORF sogar auf familiäre Unterstützung bauen: Sein Schwiegersohn Christoph Erler sitzt im Publikumsrat des Senders, ursprünglich war er laut “Presse” zusätzlich auch noch für den Stiftungsrat des ORF vorgesehen. Erlers Frau und Stegers Tochter, Angela Steger, hat derweil andere Aufgaben übernommen: Sie wurde vom Infrastrukturministerium in den Aufsichtsrat der Wasserstraßen-Gesellschaft Via Donau berufen.

Langfristig aber sicher wesentlich bedeutender als die Positionen des Steger-Clans ist der Aufstieg von Kathrin Zierhut im ORF. Die ehemalige FPÖ-Bezirksrätin sitzt nun als Personalchefin an einer absoluten Schaltstelle. Sie ist verantwortlich für Human Resources, Unternehmensplanung, Personalentwicklung, Personal-Administration, Organisationsentwicklung und die Revision des ORF.

Sie sind immer noch da

Casino-Vorstand Peter Sidlo wurde nun zwar abberufen. Doch die meisten anderen Genannten sind weiter auf ihren Positionen. In dieser Recherche geht es vor allem um vielen neuen FPÖ-Kader in staatsnahen Unternehmen.

Spenden

Zusätzlich gibt es nun auch zahlreiche Parteigänger der Blauen, die unter Schwarz-Blau etwa in Ministerien, der Polizei, den Höchstgerichten, den Universitätsräten oder der neuen Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK) eingesetzt wurden. Die ÖGK hat mit Matthias Krenn sogar einen blauen Obmann. Der Kärntner Hotel-Erbe ist gleichzeitig der Vorsitzende der FPÖ-Wirtschaftsorganisation “Freiheitliche Wirtschaft”, 

Es sind enorm einflussreiche Positionen, die die extreme Rechte nun besetzt. Eine langfristige Gefahr, wenn nicht sehr schnell gegengesteuert wird. Nicht vergessen werden darf natürlich auch die Partnerin der FPÖ in der schwarz-blauen Regierung.

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Auch die ÖVP hat zahlreiche Kader in verschiedenste Bereichen gebracht. Für die Schwarzen ist das aber ohnehin Business as usual, sie hält seit vielen Jahren die meisten Top-Positionen. Der Grund: Die ÖVP war nach 1945 nur in der Zeit zwischen 1970 und 1987 nicht in der Regierung vertreten.

Fette Erhöhung

Fast alle diese Jobs sind dabei ausnehmend gut entlohnt. Für die Aufsichtsräte von ÖBB und ASFINAG hat FPÖ-Chef Hofer die Gagen kurz vor seinem Abgang als Minister übrigens sogar noch schnell massiv erhöht.

Aufsichtsräte der ÖBB bekommen nun statt 9.000 Euro pro Jahr als Basisgage 14.000 Euro, das entspricht einer Erhöhung von gut 55 Prozent. Das Sitzungsgeld wurde von 200 auf 800 Euro pro Treffen und Person sogar vervierfacht, so der “Kurier”.

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Auch die Gagen der Aufsichtsräte der ASFINAG wurden von 4.000 auf 8.000 Euro verdoppelt. Bei diesen Erhöhungen winkt sogar noch ein hübsches Extrasümmchen: Denn die Erhöhung tritt bereits rückwirkend für das Geschäftsjahr 2018 in Kraft.

Als übrigens Trauzeuge Ochsner im Juli 2019 von den “Oberösterreichischen Nachrichten” zur Erhöhung seiner Gage um 55 Prozent gefragt wurde, lautete seine lapidare Antwort: Er hätte sich “nicht aufgedrängt”.

Würde sein Mandat nicht verlängert, dann freue sich Ochsner “über mehr Freizeit”. Unabhängig davon, wie die nächste Regierung aussieht: Zumindest für den Strache-Vertrauten  könnte eine Zukunft ohne Aufsichtsratsmandat eher früher als später Realität werden.

Das blaue Postenkarussell

ASFINAG

Hartwig Hufnagl (Ex-stv. Kabinettchef Ex-FPÖ-Minister Hofer): Vorstandsmitglied im Zweier-Vorstand, Aufsichtsratsvorsitzender ASFINAG Bau Management GmbH, Aufsichtsratsvorsitzender ASFINAG Service GmBH, Aufsichtsratsvorsitzender ASFINAG Alpenstraßen GmbH, stv. Aufsichtsratsvorsitzender ASFINAG Maut Service GmbH

Peter Franzmayr (Ex-Magistratsdirektor Wels, Burschenschaft Oberösterreicher Germanen in Wien): Aufsichtsratsvorsitzender

Siegfried Stieglitz (hat für einen FPÖ-nahen Verein gespendet): Aufsichtsrat ASFINAG

Kornelia Waitz-Ramsauer (von der FPÖ in den Rat der Linzer Johannes-Kepler-Uni entsandt): Aufsichtsrat ASFINAG

Reinhard Teufel (Ex-Kabinettchef Ex-Minister Kickl, Burschenschaft Brixia Innsbruck): Aufsichtsrat ASFINAG Maut Service GmbH

Austrocontrol

Axel Schwarz (Flugausbilder Ex-Minister Hofer): Einer der beiden GeschäftsführerInnen

Werner Walch (Blaues Ticket laut “News”): Aufsichtsratsvorsitzender

Kathrin Glock (Frau des Waffenindustriellen Glock mit FPÖ-Affinität): Aufsichtsrat

Katharina Levina-Rabl (Frau des Welser FPÖ-Bürgermeisters Andreas Rabl): Aufsichtsrat

Brenner Basistunnel BBT SE

Hubert Gorbach (Ex-FPÖ-Vizekanzler, Ex-Minister): Aufsichtsrat

Casinos Austria

Peter Sidlo (FPÖ-Bezirksrat): Bis Dezember 2019 einer von zwei Vorstandsdirektoren, weiterer Posten => ÖNB

ÖBB

Arnold Schiefer (Burschenschaft Teutonia Wien): Vorstandsmitglied im Zweier-Vorstand der ÖBB Holding, Aufsichtsratsvorsitzender ÖBB Infrastruktur

Gilbert Trattner (Ex-FPÖ-Bundesgeschäftsführer): Aufsichtsratsvorsitzender ÖBB Holding, Aufsichtsrat ÖBB Rail Cargo Austria, Aufsichtsrat ÖBB-Personenverkehr AG

Heinz Freunschlag (Sohn des einstigen FPÖ-Politikers Jörg Freunschlag): Vorstandsmitglied im Zweier-Vorstand der ÖBB-Personenverkehr AG

Michaela Huber (Vertraute von Arnold Schiefer laut “Presse”): Vorstandsmitglied im Zweier-Vorstand der ÖBB-Personenverkehr AG

Monika Forstinger (Ex-FPÖ-Ministerin): Aufsichtsrat ÖBB Holding, weiters Unirätin Universität für Bodenkultur Wien

Barbara Kolm (Hayek-Institut, Ex-FPÖ Gemeinderätin Innsbruck): Aufsichtsrat ÖBB Holding, Aufsichtsrat ÖBB Infrastruktur, weiters Unirätin Wirtschaftsuniversität Wien; weiterer Posten => ÖNB

Karl Ochsner (Strache-Trauzeuge): Aufsichtsrat ÖBB Holding, Mitglied ÖBB Immobilien Board, weiterer Posten => ÖBAG

Martin Santer (Ex-Kabinett Ex-FPÖ-Minister Gorbach): Geschäftsführer ÖBB Business Competence Center (Rechnungswesen, Personalabteilung und IT der ÖBB)

Alexander Schierhuber (Ex-Obmann RFS, Corps Saxonia Wien): Geschäftsführer Breitspur Planungsgesellschaft

Ilse Groiß (Laut “Trend” Frau von René Schimanek, dem Ex-Kabinettchef Minister Hofer): Aufsichtsrat ÖBB-Personenverkehr AG

Daniel Pinka (Ex-Büro Ex-Staatssekretär Fuchs): ÖBB Presse

Mark Perz (Ex-RFS, korporiert laut “Profil”): Geschäftsführer ÖBB Produktions-GmbH

Ines Mölzer-Leitner (Ex-Kabinett Ex-FPÖ-Minister Hofer, Schwiegertochter von Ex-FPÖ-EU-Abgeordneten Andreas Mölzer): ÖBB Public Affairs

Patricia Voglmaier (Halbschwester von Arnold Schiefer laut “Presse”): Personalverantwortliche der Personenverkehrs AG (Update 04.03.2020)

Österreichische Agentur für Ernährungssicherheit (AGES)

Arthur Kroismayr ( FPÖ-Vizebürgermeister): Aufsichtsratsvorsitzender

Österreichische Beteiligungs AG (ÖBAG)

Karl Ochsner (Strache-Trauzeuge): stv. Aufsichtsratsvorsitzender, weiterer Posten => ÖBB

Christian Ebner (Ex-Kabinettschef Ex-FPÖ-Minister Gorbach): Aufsichtsrat

Österreichische Nationalbank (ÖNB)

Robert Holzmann (Ex-Mitglied FPÖ-Atterseekreis, Sängerschaft Gothia Graz): Gouverneur

Eduard Schock (FPÖ-Stadtrat Wien, Burschenschaft Aldania Wien): Direktor

Barbara Kolm (Hayek-Institut, Ex-FPÖ Gemeinderätin Innsbruck): Vizepräsidentin des Generalrats, weiterer Posten => ÖBB

Peter Sidlo (FPÖ-Bezirksrat): Generalrat, weiterer Posten => Casinos Austria

Franz Maurer: Generalrat, weiterer Posten => ORF

Felix Mayrbäurl (Ex-Obmann RFS, Burschenschaft Libertas Wien): Abteilung Informationsmanagement und Services (laut Profil)

X (Mutmaßlicher Burschenschafter): Hauptabteilung Zahlungsverkehr (laut Profil)

Österreichische Post AG

Huberta Gheneff (Rechtsanwaltskanzlei Gheneff-Rami-Sommer, gilt als bevorzugte Kanzlei der FPÖ): Aufsichtsrat

OMV

Cathrine Trattner (Tochter Ex-FPÖ-Bundesgeschäftsführer Gilbert Trattner): Aufsichtsrat, weiters Unirätin Veterinärmedizinische Universität Wien

ORF

Kathrin Zierhut (Ex-FPÖ-Bezirksrätin in Wien): Personalchefin des ORF

Thomas Prantner (Verbindungsmann des ORF zur FPÖ, schon lange im ORF): Direktor für Online und Neue Medien

Norbert Steger (Ex-Obmann der FPÖ, ehemals [?] Universitätssängerschaft Barden zu Wien): Stiftungsrat, bis Mai 2019 dessen Vorsitzender

Gerhard Anderl (Vizepräsident Jörg Haider Gesellschaft): Stiftungsrat

Markus Braun (Obmann des angeblichen FPÖ-Spendenvereins Austria in Motion, Kassier des FPÖ-nahen Instituts für Sicherheitspolitik): Stiftungsrat

Claudia Hasenörl: Stiftungsrat

Georg Watschinger (Österreichischer Turnerbund, Burschenschaft Brixia Innsbruck): Stiftungsrat

Barbara Nepp (Frau des Wiener FPÖ-Chefs Dominik Nepp): Stiftungsrat, stellvertretende Vorsitzende Publikumsrat

Franz Maurer: Stiftungsrat, weiterer Posten = ÖNB

Christoph Erler (Wiener FPÖ-Mieterschutzring, Schwiegersohn von Ex-FPÖ-Obmann Steger): Publikumsrat

Corina Heinreichsberger (Freiheitlicher Familienverband): Stiftungsrat, Publikumsrat

Rundfunk- und Telekom Regulierungs-GmbH (RTR)

Klaus Steinmaurer (Gute Kontakte zur FPÖ laut “Presse”): Geschäftsführer

Verbund

Achim Kaspar (Ex-Obmann RFJ): Vorstandsmitglied im Vierer-Vorstand

Via Donau

Angela Steger (Tochter Ex-FPÖ-Obmann Norbert Steger): Aufsichtsrat

(Ergänzt am 12.12.2019 um 16.30 um Angaben zu Brigitte Bierlein, ergänzt am 04.03.2020 um Angaben zu Patricia Voglmair)

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